Sicherheit

Hamburger Islamist warnt vor Terroranschlägen in Deutschland

Foto: Michael Arning

Der 36-jährige Deutsch-Afghane wird im US-Militärgefängnis Bagram verhört. Das BKA zählt 400 gefährliche Extremisten in Deutschland.

Hamburg/Berlin. Ein vor Kurzem in Afghanistan festgenommener Hamburger Islamis t hat nach einem Medienbericht die Sicherheitskräfte vor möglichen Anschlägen in Deutschland und Nachbarländern gewarnt. Der 36-jährige Deutsch-Afghane Ahmad S. werde derzeit in Afghanistan von amerikanischen Ermittlern im US-Militärgefängnis Bagram verhört, berichtet "Der Spiegel". Die Bundesregierung gehe den Aussagen mit Hochdruck nach.

Der Deutsch-Afghane soll ebenso wie der vor gut zwei Monaten in Pakistan verhaftete Rami M. (25) der terroristischen Vereinigung Islamische Bewegung Usbekistans (IBU) angehört haben. Die IBU verübt - teilweise zusammen mit regionalen Taliban-Gruppen - Terroranschläge auf pakistanische Sicherheitskräfte und Mitglieder der in Afghanistan stationierten internationalen Nato-Schutztruppe Isaf.

Nach "Spiegel"-Informationen schloss sich der Deutsch-Afghane Ahmad S. einer Gruppe von Hamburger Islamisten an, die im März 2009 in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist waren, um sich dort in Terrorcamps ausbilden zu lassen. Die Islamisten hätten sich vor ihrem Aufbruch in der Hamburger Taiba-Moschee - ehemals Al-Quds-Moschee - getroffen. Dort hatten schon die Attentäter vom 11. September 2001 gebetet. Die Moschee war im August von den Sicherheitsbehörden geschlossen worden.

Unterdessen zeigt sich das Bundeskriminalamt (BKA) zunehmend alarmiert über die Zahl der deutschen Extremisten, die sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet militärisch ausbilden lassen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte dem Berliner "Tagesspiegel", bei 70 Islamisten gebe es konkrete Hinweise, "dass sie in Terrorcamps eine paramilitärische Ausbildung absolviert haben". Davon hätten 40 sogar Kampferfahrung aus Gefechten in Afghanistan. "Der Wunsch, in Afghanistan gegen die Amerikaner und sogenannte Ungläubige überhaupt zu kämpfen, ist groß", warnte der BKA-Präsident. Immerhin sei es den Sicherheitsbehörden gelungen, seit Anfang 2009 insgesamt 26 Ausreisen gewaltbereiter Islamisten aus Deutschland zu verhindern.

In Deutschland selbst halten sich Ziercke zufolge mehr als 400 Islamisten auf, die eine Bedrohung für die innere Sicherheit darstellten. Rund 130 von ihnen seien einem harten Kern von Gefährdern zuzurechnen, "von denen wir annehmen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblichem Ausmaß begehen könnten".