Weitere Ermittlungen wegen Untreue in Millionenhöhe

Das Amtsgericht hat einen früheren Abteilungsleiter der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) wegen Vorteilsannahme zu 4200 Euro Geldstrafe verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der leitende Mitarbeiter des Unfallversicherers vor sechs Jahren Wertpapiere der IT-Firma Entitec AG für rund 1850 Euro erworben und gut drei Jahre später für 4000 Euro zurückverkauft. Zwei Vorstände der Entitec AG hätten die nicht frei handelbaren Belegschaftsaktien an Dietrich P., 63, verkauft, damit der sich für weitere Aufträge an die Entitec einsetze. "Sie wussten, dass die Firma in hohem Maße von Aufträgen der VBG abhängig ist", sagte die Richterin. Doch ist Dietrich P. nur das "kleinste Rädchen im Getriebe", wie sein Verteidiger gestern ausführte? Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll es bei Aufträgen an die Entitec AG, die bis 2008 ihren Sitz direkt neben der VBG-Zentrale in Alsterdorf hatte, nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. "Im Zusammenhang mit der ausschließlichen Beauftragung der Firma Entitec AG wird noch sieben Verantwortlichen Untreue, Vorteilsannahme und Bestechlichkeit vorgeworfen", sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. "Allein in Hinblick auf den Vorwurf der Untreue geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag." Am 22. Februar 2008 hatten rund 100 Kripoleute die VBG-Zentrale und Büros in acht Bundesländern durchsucht. Wann und ob Anklage erhoben wird, ist unklar. "Die Ermittlungen sind wegen der Komplexität des Falls nicht abgeschlossen", sagte Möllers. Die VBG lehnte auf Abendblatt-Anfrage eine Stellungnahme ab.