Prozess

Totschlag wegen 20 Cent: Jugendlicher gibt Schläge zu

Einer der beiden jugendlichen Angeklagten, die einen 44-Jährigen wegen 20 Cent in Hamburg zu Tode geprügelten haben sollen, hat eine Tatbeteiligung eingeräumt. "Er hat zugegeben, dass er den Mann geschlagen hat. Aber er hat mit den Tritten nichts zu tun", sagte sein Verteidiger, Siegfried Schäfer, gestern im Anschluss an die nicht öffentliche Verhandlung vor dem Landgericht. Der heute 17-Jährige habe sich von dem Dachdecker bedroht gefühlt. Vor der Jugendkammer habe er die Folgen seiner Tat bereut, sagte der Anwalt: "Natürlich tut es ihm leid und er hat das auch auf seine kindlich-jugendliche Art zum Ausdruck gebracht."

Die Anklage wirft den beiden Jugendlichen Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten Totschlag vor. Sie stützt sich dabei auf Aussagen von 17 Zeugen und Videoaufnahmen vom Bahnhof Hamburg-Harburg. Die angeklagten 17-Jährigen sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Nach Jugendstrafrecht droht ihnen eine Strafe von bis zu zehn Jahren.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben beide Angeklagten bei ihrem Opfer 20 Cent schnorren wollen, um es gezielt zu provozieren. Als der Mann ablehnte, habe der ältere Junge unvermittelt zugeschlagen. Der Dachdecker sei ungebremst mit dem Kopf auf die Steine gefallen. Anschließend sollen ihn beide Jungen mit Tritten traktiert haben. Das Opfer starb knapp vier Wochen nach dem Überfall.

Ein Begleiter des 44-Jährigen habe die Attacke beobachtet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er sei in der Unterführung nur wenige Schritte vor dem Dachdecker gegangen, als es zu dem Überfall kam. Der Verteidiger des älteren Jungen bezweifelte dagegen die Erinnerungen dieses Begleiters: "Der war anschließend gar nicht ansprechbar, weil er so alkoholisiert war", sagte Schäfer. Auch von der provokanten Frage nach 20 Cent will sein Mandant nichts wissen.