Wilhelmsburg

Hamburg fällt 2000 Bäume für die Gartenschau

... und 3000 müssen für die Internationale Bauausstellung in Wilhelmsburg weichen. Bürger und Umweltschützer sind empört.

Hamburg. Im vergangenen Jahr ließ sich Hamburg noch als Umwelthauptstadt Europas feiern. Jetzt wird bekannt: Auf der Elbinsel Wilhelmsburg wurden bislang für die Vorbereitung von Internationaler Gartenschau (igs) und Internationaler Bauausstellung weit mehr als 5000 Bäume gefällt. Das geht aus einer Liste hervor, die das Bezirksamt Hamburg-Mitte erstellt hat und die dem Abendblatt vorliegt.

Mehr als 2000 Bäume gehen allein auf das Konto der igs. Wohl noch nie zuvor wurden bei einer Gartenschau so viele Bäume für Blumenbeete, Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen abgeholzt. Jetzt soll sogar ein vier Hektar großes Stück unberührte Natur für einen Parkplatz geopfert werden - obwohl dieser mit seinen 1400 Stellplätzen nur für die igs eingerichtet und danach wieder aufgegeben wird.

Die massiven Abholzungen von Weiden, Pappeln, Linden, Erlen und Ahorn stoßen bei Bürgern und Politikern in Wilhelmsburg auf großen Widerstand. Auch Umweltschützer sind fassungslos: "Diese Liste zeigt, dass die Versprechungen, behutsam in die Natur einzugreifen und nur in Ausnahmefällen Bäume zu schlagen, nur Sonntagsreden waren", sagt Manfred Braasch, Chef des Hamburger Landesverbandes des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland).

In einer offiziellen igs-Broschüre vom März 2008 wurde die damalige Stadtentwicklungs- und Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) mit den Worten zitiert: "Es wird nur behutsam in den gewachsenen Naturraum des Geländes eingegriffen." Nur in Ausnahmefällen werde ein Baum gefällt, hieß es. Die Zahl der Bäume auf dem igs-Gelände wurde mit rund 4000 angegeben. Mit mehr als 2000 Fällungen hätte die igs, immerhin eine Pflanzenschau, den Baumbestand damit halbiert.

+++ Neue Parkplätze statt Platz für Tiere +++

Jetzt jedoch spricht die igs von falschen Zahlen. Bei den 4000 Bäumen handele es sich lediglich "um den kartografierten Bestand", sagt Sprecherin Ina Heidemann. Insgesamt stünden auf der mehr als 100 Hektar großen Fläche 20 000 Bäume - es seien also "nur" zehn Prozent gerodet worden. Gründe für die Fällungen gebe es viele: etwa die Behebung von Pflegemängeln, die Vorbereitung von Ausstellungsflächen oder die Räumung von Kampfmitteln.

Auch die Bauausstellung IBA brachte viele Bäume zu Fall. Allein für den Neubau der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt an der Wilhelmsburger S-Bahn wurden ein gesetzlich geschütztes Biotop und ein Sumpfwald mit insgesamt 555 Bäumen abgeholzt. Außerdem wurden Ausgleichsflächen gerodet, die für frühere Eingriffe in die Natur entstanden waren.

Größere Baumfällaktionen gingen auch anderen IBA-Projekten voraus: etwa dem "Tor zur Welt" an der Krieterstraße (183 Bäume), der neuen Schwimmhalle (112), der Gewässeranbindung des Kanukanals (160 Bäume und 55 000 Quadratmeter Gehölzaufwuchs) sowie dem "Weltquartier" an der Vehringstraße (139).

Häufig wird auch mehr abgeholzt als erlaubt: Beim IBA-Projekt Korallusviertel beispielsweise gaben die Behörden 93 Bäume zum Fällen frei - tatsächlich aber wurden zwölf Bäume, vier Gehölzgruppen und 30 laufende Meter Hecke zusätzlich ohne Genehmigung abgesägt.