Geschwisterkindregelung

Ein Schulweg für die ganze Familie

Schulsenator will sicherstellen, dass Geschwister dieselbe Schule besuchen können. Entscheidung bedeute für viele Eltern Sorge weniger.

Hamburg. Claudia Wackendorff und ihre sechsjährigen Zwillinge Justus und Johanna sind erleichtert. Nachdem Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Sonntag angekündigt hatte, den Vorrang des Anmeldeverbundes zugunsten der Geschwisterkindregelung kippen zu wollen, sind die Chancen groß, dass das Zwillingspaar an der Grundschule eingeschult werden kann, die auch ihre Schwester Lena besucht. "Diese Entscheidung bedeutet für viele Eltern und Geschwister eine Sorge weniger", sagt Claudia Wackendorff.

Noch bis zum Wochenende hatte es so ausgesehen, als ob die Wilhelmsburgerin vom kommenden Schuljahr an zwei verschiedene Grundschulen für ihre drei Kinder hätte ansteuern müssen. Hintergrund: In Hamburg gibt es 46 Anmeldeverbünde für 204 Grundschulen. Innerhalb dieser Anmeldeverbünde haben die dazugehörigen Kinder Priorität. Bislang wurden Geschwisterkinder bei der Anmeldung an einer Wunschschule auch außerhalb des Verbundes bevorzugt. Im Dezember jedoch wies Schulsenator Ties Rabe (SPD) Hamburgs Schulleiter an, Geschwisterkinder von außerhalb künftig nicht mehr bevorzugt aufzunehmen. Er reagierte damit auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts, das die Geschwisterkindregelung für unzulässig hielt.

Mit seiner Anweisung löste er jedoch einen Proteststurm aus. Die CDU-Opposition verkündete, durch eine Änderung des Schulgesetzes müsste ermöglicht werden, dass Erstklässler auf jeden Fall in der Schule ihrer Geschwister eingeschult werden können. Auch die GAL wollte diesen Antrag unterstützen. Tatsächlich aber seien es die Regierungsparteien CDU und GAL gewesen, die 2009 im Schulgesetz die Priorität der Anmeldeverbünde festgelegt hatten, wie Ties Rabe betont. Auch wenn das nur "pro forma" für die Primarschulplanungen geschehen sei, wie es jetzt aus den Kreisen von CDU und GAL heißt, hatte sich das Verwaltungsgericht doch darauf bezogen.

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"Das Schulgesetz soll jetzt schnell novelliert werden, damit die betroffenen Kinder möglichst schon in dieser Anmelderunde davon profitieren können", sagt Schulsenator Ties Rabe. Künftig sollten alle Kinder Vorrang bekommen, die zeitgleich mit älteren Geschwistern auf dieselbe Schule gehen wollen. Das übertreffe den CDU-Antrag noch, der nur Geschwisterkinder mit einem Jahr Altersabstand berücksichtige. Rabe-Kritiker Walter Scheuerl von der Inititiative "Wir wollen lernen" zeigte sich zufrieden damit, dass künftig Geschwister wieder oberste Priorität haben: "Wir freuen uns, dass Ties Rabe seine Anweisung zurückgenommen hat."

Claudia Wackendorff hatte Lena an der Elbinselschule in Wilhelmsburg einschulen lassen, obwohl diese Grundschule nicht zu ihrem Anmeldeverbund gehört. "Die Elbinselschule stand allen Kindern offen, und sie hat ein Profil, das genau auf meine Große zugeschnitten ist", sagt Claudia Wackendorff. Lena geht in die zweite Klasse und hat Kunst und Musik als Profil. Die jüngeren Zwillinge besuchen die Kindertagesstätte direkt neben der Schule. "Weil Kita und Schule miteinander kooperieren, kennen meine Zwillinge schon einige der Lehrer, und die Vorschüler kennen sich auch schon alle." Bei 126 Anmeldungen und 95 freien Plätzen hätte es bei strikter Auslegung des bestehenden Schulgesetzes schlecht für Justus und Johanna ausgesehen. "Wir hoffen, dass uns nun keine Hürde mehr bevorsteht", sagt Claudia Wackendorff, die als Chemielaborantin arbeitet und sich im Landeselternausschuss engagiert.

Zeitgleich mit der Gesetzesänderung will Schulsenator Ties Rabe die Sinnhaftigkeit von Anmeldeverbünden überhaupt prüfen lassen. Auch diese Regelung war immer wieder kritisiert worden. Gerade erst hatte der Elternrat der Grundschule Hoheluft an der Wrangelstraße in einem offenen Brief deutlich gemacht: "Da unsere Schule genau an der Grenze zu einem anderen Schulbezirk liegt, haben wir naturgemäß viele Schüler aus einen anderen Anmeldeverbund, für die wir dennoch die nächstgelegene Schule sind." Da die Grundschule in diesem Jahr mit 18 Kindern "überwählt" ist, sei zu vermuten, dass die Schule überhaupt keine Kinder aus anderen Verbünden werde aufnehmen können. Der Elternrat fordert von der Bildungsbehörde, das System der Anmeldeverbünde zu überarbeiten. Frauke Scheunemann, stellvertretende Elternratsvorsitzende: "Die Anmeldeverbünde umfassen Gebiete, die so groß sind, dass es zu himmelschreienden Ungerechtigkeiten kommt. Auf einen dicht besiedelten Stadtstaat passt dieses System nicht."