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20 Hamburger Filialen der Commerzbank droht das Aus

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Die Commerzbank will nach Integration der Dresdner Bank bundesweit 300 Geschäftsstellen streichen. In Hamburg könnte es 20 treffen.

Hamburg. Der neue Schriftzug am Bankgebäude fällt kaum auf und auch die Enthüllung durch zwei Führungskräfte der Commerzbank hält den täglichen Trubel am Jungfernstieg nicht auf. Statt Dresdner Bank prangt jetzt Commerzbank an dem Bankgebäude. Wegen des denkmalgeschützten Gebäudes verzichtet die Bank auf ihr Knallgelb, und Schriftzug und neues Logo erscheinen dezent bronzefarben. Vielleicht kommt das den Bankmanagern auch entgegen, denn es ist nur ein weiterer Schritt in der größten Bankenfusion, die vor knapp zwei Jahren begann und noch längst nicht bewältigt ist.


So werden sich in Hamburg manche Kunden an eine neue Filiale gewöhnen müssen. "Wir prüfen 20 Standorte in Hamburg mit Blick auf eine Zusammenlegung", sagt Erhard Mohnen, Vorsitzender der Geschäftsleitung Private Kunden in Hamburg. "Manche Standorte sind weniger als 500 Meter voneinander entfernt oder sie sind für die neuen Anforderungen einfach zu klein." Auf die Beschäftigten in der Metropolregion Hamburg werde das aber keine Auswirkungen haben.

Bundesweit werden von 1500 Filialen 1200 Geschäftsstellen übrig bleiben. "Es liegt auf der Hand, dass eine solche Fusion zu Schließungen führt", sagt Bankenexperte Dirk Schiereck von der TU Darmstadt. "Nur so lassen sich Synergien heben." Immerhin will die Commerzbank Einsparungen von 2,4 Milliarden Euro jährlich realisieren.


Die neue einheitliche Fassade überdeckt, dass hinter den Kulissen längst noch nicht alles perfekt läuft. Zwar können Kunden in allen Filialen jetzt ihren Kontoauszug ziehen, andere Dienstleistungen müssen aber hinter den Kulissen mit viel Aufwand gemanagt werden. Wer als Commerzbank-Kunde in einer früheren Filiale der Dresdner Bank Geld auf sein Konto einzahlen will, muss viel Geduld mitbringen. Erst muss der Angestellte eine Hotline anrufen, dann wandert das Geld auf ein Zwischenkonto und erst dann auf das Kundenkonto.

Mitte 2011 sollen diese Probleme beseitigt sein, wenn insgesamt 1600 EDV-Programme zusammengeführt wurden. 4000 eigene Mitarbeiter und 1000 externe Helfer widmen sich diesem Problem. "Während der Integration ist die Bank sehr nach innen orientiert", sagt Schiereck. "Sie muss deshalb versuchen, diese Zeit kurz zu halten, um im Wettbewerb wieder angreifen zu können." Zwar ist das Institut größer geworden, bewegt sich aber auf Märkten, die besonders stark umkämpft sind: Privatkunden und Mittelstand.

Doch zunächst konzentriert sich die Bank auf die neue Fassade. "In den nächsten drei Wochen stellen wir alle Filialen der Dresdner Bank auf die gemeinsame Marke um", sagt Commerzbank-Vorstand Stefan Schmittmann. Bis Ende August folgen dann die weiteren Standorte.


In Hamburg sind 90 Filialen betroffen. Nicht nur die Dresdner-Bank-Filialen werden neu ausgestattet, sondern auch die Commerzbank-Standorte. Neben dem Schriftzug Commerzbank steht das Logo der Dresdner Bank, ein Dreieck, leicht modifiziert und natürlich in Gelb statt in Grün. "Die neue Marke nimmt Elemente beider Häuser auf und ist deshalb allen Mitarbeitern und Kunden vertraut", sagt Schmittmann. Allein das lässt sich die Bank bundesweit 50 Millionen Euro kosten.

Hamburg gilt als einer der wichtigsten Standorte der Commerzbank. Rund 2800 Mitarbeiter betreuen in der Metropolregion 350 000 Privatkunden und 60 000 Firmenkunden. Zudem ist Hamburg konzernweit zuständig für die Finanzierung der erneuerbaren Energien mit einem Kreditvolumen von vier Milliarden Euro. Vor allem im Firmenkundengeschäft sieht sich die Commerzbank als Gewinner. "Keine Bank ist in der Fläche stärker präsent als wir", sagt Uwe Borges, der für das Firmenkundengeschäft zuständig ist. Von den 500 Millionen Euro an Krediten, die in der Region in diesem Jahr vergeben werden sollen, wurden schon 200 Millionen Euro ausgereicht. "Auch wenn sich andere Banken gern damit schmücken, dass sie durch die Fusion Kunden von uns gewonnen hätten, wir können das nicht bestätigen", sagt Borges.