Vor dem Volksentscheid in Hamburg

4000 "Schulverbesserer" demonstrieren für die Schulreform

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Ole von Beust zeigte sich zuversichtlich, den Volksentscheid zu gewinnen. Walter Scheuerl war von der Demo unbeeindruckt.

Hamburg. Mehr als 4000 Befürworter der Hamburger Schulreform haben am Sonnabend für längeres gemeinsames Lernen in der sechsjährigen Primarschule demonstriert. In der ersten Reihe gingen auch Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) und Politiker der Bürgerschaftsparteien Parteien CDU, SPD, Linke und Grüne mit. Bei einer Auftaktkundgebung auf der Moorweide erklärte Bürgermeister Ole von Beust (CDU), er sei zuversichtlich, dass der Volksentscheid gewonnen werden könne. Es gehe bei der Reform nicht um einen „Hamburger Sonderweg“. Längeres gemeinsames Lernen sei schon lange europaweit und international Standard. Goetsch sagte, es sei beeindruckend, „dass wir ein solch breites Bündnis aus Parteien, Vereinen und Gewerkschaften auf die Beine stellen konnten. So was habe ich noch nicht erlebt.“

Die „Parade der Schulverbesserer“ endete mit einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt. Dabei betonte Hamburgs ver.di-Chef Wolfgang Rose, die Schulreform komme allen Kindern und Jugendlichen zugute und verbessere die Leistungsfähigkeit der Schulen. Der Titel der Volksinitiative „Wir wollen lernen“ sei irreführend. In Wirklichkeit müsse er heißen: „Wir wollen getrennt lernen“, sagte Rose. Die Reformbefürworter wollten längeres gemeinsames Lernen, „eine Schule, die endlich einer modernen, demokratischen und sozialen Gesellschaft angemessen ist und nicht mehr den Klassenverhältnissen aus dem 19. Jahrhundert verhaftet bleibt.“

Ex St.-Pauli-Präsident und Theatermann Corny Littmann erklärte. „Ich kenne mich aus mit Talenten und mit versteckten Fouls.“ Er habe selbst in Berlin sechs Jahr lang eine Art Primarschule besucht. „Es hat mir nicht geschadet.“ Der Sprecher der Reformgegner, Walter Scheuerl, beobachtete die Demonstration vom Straßenrand aus und gab sich unbeeindruckt. „Das ist ein lustiges, buntes Treiben mehr nicht“, meinte Scheuerl.

Am 18. Juli hat Hamburg die Wahl. Dann entscheiden 1,2 Millionen Bürger in einem Volksentscheid, ob künftig bis zur sechsten Klasse gemeinsam gelernt wird oder nicht. Das Bündnis „Wir wollen lernen“ ist gegen die Reform und möchte den Übergang auf Gymnasium oder Gesamtschule nach der vierjährigen Grundschule beibehalten. Die Reformgegner hatten den Volksentscheid mit mehr als 184 000 Unterschriften erzwungen.