Politische Verfolgung

Bedrohter Journalist findet Zuflucht in Hamburg

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Der Mexikaner und Stipendiat der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, Pedro Matias, flüchtete ins temporäre Exil nach Hamburg.

Hamburg. Mit seinem kleinen, grauen Auto ist Pedro Matías auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Plötzlich erscheint eine Gestalt aus der Dunkelheit und läuft direkt vor seinen Wagen. Er bremst scharf. Zwei bewaffnete Männer steigen ein und zwingen ihn, an einen verlassenen Ort zu fahren. Dort ziehen sie ihn nackt aus, verbinden ihm die Augen, fesseln Hände und Füße und schmeißen ihn in den Kofferraum. Die Horrorfahrt beginnt. Doch er überlebt.

Seit Sommer 2009 ist der mexikanische Journalist Stipendiat der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte. Da der Gefährdungsgrad des Mexikaners durch seine Arbeit bei einer der wenigen kritischen Zeitungen des Landes besonders hoch ist, rieten ihm internationale Organisationen zum temporären Exil.

Laut "Reporter Ohne Grenzen" gehört Mexiko heute zu den weltweit gefährlichsten Ländern für Journalisten. Allein im Januar wurden hier drei Reporter getötet. Besonders diejenigen, die wie Pedro Matías kritisch über Missstände berichten, sind der Drogenmafia - aber auch Politikern - ein Dorn im Auge.

Heute, eineinhalb Jahre nach seiner Entführung, erinnert sich der Reporter aus dem Bundesstaat Oaxaca noch an jedes Detail. Die Entführung war Wendepunkt seines Lebens. "Die ganze Nacht haben sie mich gequält - eher psychisch als körperlich", erzählt der 45- Jährige. "Sie fragten mich, wie ich am liebsten sterben wolle, und schossen andauernd in die Luft", erinnert sich der Journalist. Doch nach zehn Stunden schmeißen die Entführer Matías aus dem Wagen und lassen ihn liegen.

Heute ist er gestärkt, selbstsicher - sein Exil in Hamburg hat ihm die Möglichkeit gegeben, die Geschehnisse in seiner Heimat zu verarbeiten. "Besonders oft sind unsere Gäste Journalisten, aber nicht nur", sagt Martina Bäurle, Geschäftsführerin der Stiftung. Damit sich Menschen wie Pedro Matías eine Auszeit nehmen können, bezahlt die Einrichtung aus Spendengeldern alle anfallenden Kosten und organisiert außerdem Weiterbildungen und kulturelle Veranstaltungen.

"Mein Exil in Hamburg war meine Wiedergeburt", sagt der Mexikaner. "Die große Solidarität hat mir gezeigt, dass Menschen an mich und meine Arbeit glauben. Das war das schönste Geschenk." Er will zurückkehren und seine Arbeit fortsetzen - mit einigen Vorsichtsmaßnahmen. "Mich bringt keiner zum Schweigen!"