Gott und die Welt

Das kleine Ostern: Bergfest der Fastenzeit

"Klein Ostern" - so wird der morgige Sonntag auch genannt. Inmitten der Passionszeit, in der wir in den christlichen Kirchen dem Leiden Jesu gedenken, ein Aufmerken und Innehalten: Bergfest auf halber Strecke.

Auf Reisen werden "Bergfeste" von manchen durchaus bewusst gefeiert. Meist verbunden mit einer Prise Wehmut, weil die Hälfte der Zeit bereits hinter ihnen liegt. Aber Bergfeste feiern in schweren, traurigen Zeiten? Das kommt wohl eher selten vor. Und deshalb ist dieser Sonntag, dessen lateinischer Name "Lätare" ("Freuet euch") lautet, auch so etwas Besonderes. Er erinnert uns daran, das Leben zu feiern, gerade dann, wenn wir noch inmitten von Schwierigkeiten stecken. Uns just dann daran erinnern zu lassen, dass allem Leid und allem Schmerz ein Ende verheißen ist. Damit wir nicht darin versinken und es für alles halten, was über unserem Leben steht. Wir erfahren, dass mit einer Hoffnung im Herzen das Leben schon jetzt in ein neues und anderes Licht getaucht erscheint.

Jesus selbst hat das gekonnt. Bergfeste feiern, wenn sie ihm zufielen. Als ihn eine Frau kurz vor seinem Tod mit kostbarstem Salböl salben wollte und sich die Umherstehenden erschraken und diese Geste für unpassend und das Öl sowieso für zu teuer hielten, ließ er es dennoch geschehen. Weil er wusste, was für ein kostbarer Moment dies war und dass ihm auch wieder andere Zeiten bevorstanden. Jetzt, in diesem Augenblick zählte nur das, was die Frau ihm Gutes tat und wie ihn dies mit Lebensmut erfüllte.

Meistens können wir nicht wissen, wann genau die Mitte einer Leidenszeit erreicht ist. Zumeist ist dieses Bergfest für uns nicht planbar. Dann mag es uns ergehen wie Jesus, dass wir von einem solchen Erlebnis unverhofft überrascht werden. Und wir brauchen die Gelegenheit "nur" noch zu ergreifen. Aber am morgigen Sonntag, am "Kleinen Ostern" haben wir die Möglichkeit, uns schon jetzt daran erinnern zu lassen, dass es solche Bergfeste gibt - auch für uns. Auf dass wir Kraft tanken für alles Folgende und uns der Ausblick auf neues Leben vorantreibt.

@ astrid.kleist@gmx.de