Wachstumsbeschleunigungsgesetz

Schlaf oder Beischlaf - das ist für die Steuer entscheidend

Benjamin Cordes

Schlaf oder Beischlaf - das ist die Frage. Diesen Nebeneffekt ihrer Beschlüsse hatte wohl keiner der Politiker im Sinn, als der Bundesrat am Freitag das Wachstumsbeschleunigungsgesetz verabschiedete: Die zuvor von der schwarz-gelben Koalition beschlossene Begünstigung von Hotels bei der Mehrwertsteuer, die künftig nur noch 7 statt 19 Prozent zahlen müssen, könnte zum preislichen Vorteil für das horizontale Gewerbe werden. So jedenfalls wünscht es sich Stephanie Klee vom Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen. Nach ihren Vorstellungen müssten vom Steuernachlass für "Beherbergungsleistungen" selbstverständlich auch Stundenhotels profitieren. So klar, wie es sich Klee für ihre Branche wünscht, ist der Fall aber noch lange nicht. Denn: der Steuersatz der "Nebenleistung" richtet sich nach der "Hauptleistung" des angebotenen Gewerbes. Beides soll bei der Berechnung nicht voneinander getrennt werden. Der Knackpunkt ist also: kommen die Herren zum Übernachten für eine Stunde ins Stundenhotel? Dann muss die Herberge nur 7 Prozent für Schlaf und Beischlaf zusammen verlangen. Oder ist das Hotel doch eher Ort der Erregung statt der Entspannung? Dann würden auch wie bislang 19 Prozent Steueraufschlag fällig werden.

Bei der Dehoga in Hamburg stößt die Auslegung von Stephanie Klee auf kein Verständnis. Für den Hauptgeschäftsführer Gregor Maihöfer ist der Fall klar: "In Stundenhotels geht es nicht um das Übernachten". Den ermäßigten Steuersatz für Laufhäuser weist er deshalb zurück. Wie viele "Hotels" in Hamburg von der neuen Regelung profitieren könnten ist unklar, im Verband der Dehoga sind sie nicht organisiert.

"Nicht alles, was Hotel heißt, ist auch ein Hotel", sagt Maihöfer. Im Finanzministerium sind nun die Rechenexperten dran. Sie müssen klären, welche Leistung zählt: Schlaf oder Beischlaf.

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