Künstler besetzen Hamburger Gängeviertel

Hausverwaltung räumt historische Gebäude

Seit zwei Tagen besetzen rund 200 Künstler die Gängeviertelhäuser in der Innenstadt. Jetzt hat die Hausverwaltung mit der Räumung begonnen.

Hamburg. Zwei Tage nach der Besetzung der Gängeviertelhäuser in der Hamburger Innenstadt durch rund 200 Künstler hat die Hausverwaltung mit der Räumung begonnen. Sie verschloss am Montag zwei der seit Jahren leerstehenden historischen Gebäude. Die Künstler leisteten nach eigenen Angaben keinen Widerstand, „um die Situation nicht eskalieren zu lassen“. Sie hatten die Häuser am Samstag unter der Schirmherrschaft des Malers Daniel Richter besetzt und dort Ateliers und Galerien eingerichtet. Sie wollten damit sowohl auf die Raumnot Hamburger Künstler aufmerksam machen als auch die Gebäude vor dem Verfall bewahren.

In einem offenen Brief der Künstler an den schwarz-grünen Senat heißt es: „Wir erwarten nun von Ihnen als Senat, dass Sie (...) die Verantwortung für die kulturelle und soziale Vielfalt der Stadt übernehmen und konstruktiv mit uns zusammenarbeiten.“ Die Künstler haben ein Nutzungskonzept ausgearbeitet und suchen nun den Dialog mit den Entscheidungsträgern. Dazu brachten sie am Montag Einladungen in die Behörden für Stadtentwicklung und Kultur. Eine Sprecherin der Kulturbehörde erklärte, die Anliegen der Künstler würden ernst genommen und man wolle mit ihnen auch ins Gespräch kommen.

Eigentümer der Häuser ist der niederländische Investor Hanzevest, der das gesamte Gelände von der Stadt Hamburg gekauft hat, um dort Büros und Wohnungen zu bauen. Rund 80 Prozent der historischen Gebäude sollen abgerissen werden. Die Künstlerinitiative „Komm in die Gänge“ möchte die zwölf Altbauten retten und darin ein Kunst- und Kulturzentrum einrichten.