Löschboot-Verkauf

Wurde "Branddirektor Kipping" verschleudert?

Drei Jahre nach dem Verkauf durch die Feuerwehr taucht das Schiff jetzt auf einem Internet-Verkaufsportal wieder auf.

"Delta-Alpha 9361". So lautete viele Jahre das vertraute Funkzeichen der "Branddirektor Kipping" - doch der Ruf ist aus dem täglichen Hafenfunkverkehr verschwunden. Das knapp 32 Meter lange und bewährte Löschboot wurde wegen eines geänderten Einsatzkonzeptes von der Feuerwehr außer Dienst gestellt und im Jahr 2006 für 17 580 Euro verkauft. Nun ist es wieder aufgetaucht. In einem Internet-Portal, auf dem Schiffe gehandelt werden. Der Eigner ist inzwischen ein Russe, und der will für die "Kipping" jetzt 475 000 Euro haben. Hat sich die Stadt da über den Tisch ziehen lassen oder das bewährte Schiff schlicht verschleudert? Zumal allein das Radargerät zum Preis von etwa 20 000 Euro erst kurz vor dem Verkauf installiert wurde, wie es in Feuerwehrkreisen heißt.

Tatsache ist, dass das Schiff nach einer Ausschreibung 2006 an eine Finkenwerder Werft verkauft worden ist. Das bestätigt auch der Werftchef. Über den Preis, den er beim Weiterverkauf erzielt hat, wollte er aber lieber nicht reden: "Bitte haben Sie da Verständnis". Später lag die "Branddirektor Kipping" dann an einem Ponton an der Norderelbe. Der Schriftzug "Feuerwehr" war teilweise übergemalt worden und ein "T" ist hinzu geschrieben worden, sodass das Schiff nun "Teuer" hieß und wegen hoher Unterhaltskosten wohl bald wieder verkauft wurde. Wie hoch der Preis war - darüber gibt es nur Spekulationen. Für 90 000 Euro soll es auch schon einmal im Internet angeboten worden sein.

Doch für die Feuerwehr war der Verkaufspreis von rund 17 580 Euro nicht zu billig. "Das war der reine Schrottwert", sagt Feuerwehrsprecher Martin Schneider. Zumal es Schäden an der Drehleiter gab und die Antriebswelle kaputt war.

Tatsächlich gab es solche Schäden. Zwar war nicht die ganze Welle kaputt, sondern nur ein Lager. Eine Reparatur könnte nach Schätzung eines Branchen-Insiders tatsächlich bis zu 50 000 Euro kosten. "In der Werft verdunstet Geld schnell", so ein Spruch im Hafen. Doch wie viel würde ein gut ausgestattetes, funktionstüchtiges Feuerwehrschiff bringen? "Bei Liebhabern 150 000 Euro", so die vage Schätzung des Insiders. Also deutlich mehr als Schrottwert und Reparatur zusammen. Aber noch mehr Geld wollte die Feuerwehr seinerzeit offensichtlich nicht mehr investieren.

Mit der Aufgabe der "Kipping" wurde auch der Einsatzort Finkenwerder als aktive Löschboot-Station aufgegeben, es blieben an den Stationen in der Stadt und in Harburg nur noch zwei kleinere Löschboote - beide gelten bei rauem Wetter als längst nicht so robust wie die "Kipping". Das neue Konzept mit nur zwei Feuerwehrschiffen habe sich trotzdem bewährt, sagt Feuerwehrsprecher Schneider: "Schiffsbrände werden kaum noch vom Löschboot aus bekämpft, weil die Bordwände viel zu hoch geworden sind. Wir setzen die Leute jetzt am Kai oder direkt auf den Schiffen ein."

Der SPD-Sicherheitspolitiker Andreas Dressel ist da vorsichtiger: "Wenn einmal etwa Größeres auf der Unterelbe passieren sollte, wird man die 'Kipping' schon sehr schnell vermissen", vermutet er.