Maria Böhmer wünscht sich Pädagogen mit ausländischen Wurzeln

"Wir brauchen mehr Migranten als Lehrer"

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Matthias Schmoock

Die Schule als Ort der Chance für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Um das zu erreichen, müssen mehr Lehrer eine solche Herkunft haben. Das fordert die Integrations-Beauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer.

Hamburg. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Maria Böhmer, hat sich im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt dafür ausgesprochen, mehr Lehrer und Kindergärtnerinnen mit Migrationshintergrund einzustellen. "Die Bevölkerungsstruktur verändert sich schnell", sagt Böhmer, "und die Gesellschaft muss darauf reagieren." Auch Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund müsse noch deutlicher vermittelt werden, dass es hierzulande eine Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule gibt. "Es darf nicht alles auf die Institution Schule abgewälzt werden", sagt Böhmer, "sondern die Eltern müssen einbezogen werden." In der Türkei sei das nach ihrer Erfahrung nicht der Fall. Eltern von Migranten könnten bei Integrationsbemühungen nur wenig helfen, weil sie oft zu wenig vertraut mit der Sprache seien, aber auch mit den Strukturen des Schulsystems. Viele haben zudem oft nur ein geringes Bildungsniveau. Hier könnten Lehrer, die selbst Migrationserfahrung haben, aus ihrer Sicht "Vorbilder und Brückenbauer" sein.

Auch Unternehmen, die Erfahrung mit Ausbildung haben, können Unternehmern ausländischer Herkunft zur Seite stehen, die erstmals ausbilden. Böhmer: "Ich wünsche mir außerdem, dass bei einem türkischstämmigen Unternehmer natürlich auch deutsche Auszubildende beschäftigt werden."

In diesem Zusammenhang machte sich die Integrationsbeauftragte dafür stark, dass internationale Abschlüsse schneller bei uns anerkannt werden. In Deutschland gebe es alleine 500 000 Migranten, deren akademische Abschlüsse hier nicht anerkannt würden. Zurzeit erarbeite sie ein Eckpunktepapier, das noch vor der Sommerpause durch das Kabinett gebracht werden könne. Der Kern: Innerhalb einer bestimmten Frist müssten die entsprechenden Migranten ein Anerkennungsverfahren durchlaufen, in dem geprüft wird, ob die Ausbildung den deutschen Anforderungen entspricht. Auch die Frage, ob Teilqualifikationen möglich seien, müsse dabei geklärt werden. "Was ist mit der russischen Ärztin, was mit einem Ingenieur aus Ghana?", so Böhmer. "Sie zu integrieren muss im Idealfall bedeuten, sie auch in den Arbeitsmarkt zu integrieren." Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU), der Böhmer in Hamburg traf, stellte heraus, dass es außerdem ein hohes volkswirtschaftliches Interesse an dieser Form der Integration gebe.

Einig sind sich Böhmer und Wersich auch darin, dass noch stärker als bisher gegen Zwangsheiraten vorgegangen werden müsse. Wie berichtet, hat Hamburg kürzlich zusammen mit anderen europäischen Städten ein Projekt gegen Zwangsheiraten auf den Weg gebracht. Böhmer will sich jetzt dafür einsetzen, dass für das Problem ein eigener Straftatbestand geschaffen wird. "Es geht hier um Heiratsverschleppung - man muss die Dinge klar beim Namen nennen." Böhmer forderte dazu auf, auch Lehrerinnen und Lehrer verstärkt für dieses Thema zu sensibilisieren. "Die Pädagogen müssen wissen, wohin sie sich wenden können, wenn sie merken, dass ein solcher Fall droht."

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