SPD Eimsbüttel: Der Bundestagsabgeordnete Niels Annen bekommt einen Gegenkandidaten

Juso-Chef will Nahles-Vertrauten kippen

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Ulrich Meyer

Der Eimsbüttler SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen, einer der Hauptvertreter des linken Flügels der Bundespartei, hat einen Gegenkandidaten im...

Der Eimsbüttler SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen, einer der Hauptvertreter des linken Flügels der Bundespartei, hat einen Gegenkandidaten im Rennen um die nächste Bundestagskandidatur. Der 26 Jahre alte Juso-Landeschef Danial Ilkhanipour fordert Annen (35) heraus. Die Entscheidung über die Direktkandidatur der SPD in Eimsbüttel fällt am 15. November.

"Ich trete für eine Politik ein, die sich stärker an den tatsächlichen Problemen der Bürger orientiert", begründete Ilkhanipour seine überraschende Kandidatur gegenüber dem Abendblatt. "Wir müssen endlich begreifen, dass die Menschen nicht mehr an ideologischen und ritualisierten Auseinandersetzungen interessiert sind", sagte der Juso - ein Seitenhieb auf Annen, der neben Vize-SPD-Chefin Andrea Nahles einer der Profiliertesten SPD-Linken ist und unter Ideologieverdacht steht. Anders als früher stehen die Hamburger Jusos heute für eine pragmatische Politik und sind nicht mehr dem linken Parteiflügel zuzuordnen.

Doch die Kandidatur Ilkhanipours sorgt für Ärger an der Parteispitze. "Es ist nicht ehrenrührig, einen Gegenkandidaten zu haben. Aber wie das in Eimsbüttel gelaufen ist, finde ich nicht in Ordnung", kritisiert der Landesvorsitzende Ingo Egloff, der im Wahlkreis Wandsbek selbst für den Bundestag kandidieren will. Egloff wirft Ilkhanipour vor, dafür gesorgt zu haben, dass seine Gefolgsleute zu Delegierten der Wahlkreiskonferenz gewählt wurden. "Erst Delegierten einzuspannen und dann zu erklären, dass man kandidiert, das geht nicht", sagte Egloff. Unter anderem war die frühere Finanzsenatorin und Bürgerschaftspräsidentin Elisabeth Kiausch nicht als Delegierte gewählt worden. "Das ist nicht in Ordnung", kritisierte Egloff.

Zoff hat Ilkhanipour auch mit der Stellinger SPD. Deren Vorstand hat ein Parteiordnungsverfahren gegen den Juso-Chef beantragt. Grund: Ilkhanipour soll mit 20 Getreuen versucht haben, die Gründungsversammlung der Stellinger Juso-Gruppe zu sprengen. "Stellinger sind Wahlbetrüger", soll Ilkhanipour gerufen haben. Der Juso-Chef zeigte sich schockiert über das Vorgehen der Parteifreunde. "Ich halte die Vorwürfe für absurd", so der Juso-Chef. Er wolle sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußern, "damit die Partei keinen weiteren Schaden nimmt".

Anders als bei der Bundestagswahl 2005, als die SPD alle sechs Hamburger Wahlkreise direkt holte, könnte 2009 die Landesliste erstmals wieder Bedeutung erlangen. Die SPD-Satzung schreibt vor, dass auf den Landeslisten zur Bundestagwahl Namen von Männern und Frauen im Wechsel stehen müssen. Als Direktkandidaten werden nach jetzigem Stand ausschließlich Männer kandidieren, von denen ein Teil damit nicht über die Liste abgesichert werden kann. Traditionell steht dem Altonaer Direktkandidaten Olaf Scholz als Bundesminister Platz eins der Landesliste zu. Auf Platz drei folgt wahrscheinlich Landeschef Egloff. Unklar ist, welche Frauen auf der Liste kandidieren wollen. Mindestens Platz zwei gilt als aussichtsreich.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg