Interview mit Jan Bayer, Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung der Regional- und Abozeitungen der Axel Springer AG

Datenpanne: Hamburger Abendblatt nicht betroffen

| Lesedauer: 3 Minuten

Am Wochenende wurde eine Datenpanne bei den Anzeigenblättern der Axel Springer AG bekannt. Waren davon auch Titel von Axel Springer, wie HAMBURGER ABENDBLATT, BILD, WELT oder Programmzeitschriften betroffen?

Bayer: Ganz klar nein! Es waren Kunden der Wochenblatt-Verlage betroffen. Von diesen Tochtergesellschaften werden Anzeigenblätter in den Regionen Hamburg und Berlin herausgegeben. Es besteht aber keinerlei Verbindung in der technischen Infrastruktur. Die IT und auch die Datenbanken der Wochenblattverlage sind unabhängig. Die Anzeigenkunden werden von einem eigenen Verkaufsteam betreut, das auch die Kunden-Daten verwaltet.

Was ist bei den Wochenblättern genau passiert?
Bayer: Bedauerlicherweise ist es zur Veröffentlichung von Kundendaten im Internet über die Website der Wochenblätter gekommen, auf der seit September auch Online die Inserate aus den Anzeigenblättern eingestellt werden. Durch einen Programmierfehler wurden Daten im Internet sichtbar. Dabei handelte es sich um Daten, wie Namen, Adressen und Telefonnummer von Kunden aus dem Bereich Kleinanzeigen.

Wie viele Kunden sind betroffen?
Bayer: Sensible persönliche Daten wurden von etwa 2000 Kunden öffentlich und sobald wir davon erfuhren, sofort gelöscht. Daten von ungefähr 500 dieser insgesamt etwa 2000 Kunden waren leider noch länger einsehbar, da unsere intensiven Bemühungen um Löschung bei Google erst am vergangenen Freitag endgültig Erfolg hatten.

Wann haben Sie den Fehler bemerkt und wie haben Sie reagiert?
Bayer: Am 25. September 2008 informierte ein Kunde die Gechäftsführung der Wochenblattverlage über die Panne. Nach einer schnellen und intensiven Suche wurde der technische Fehler festgestellt und noch am Abend desselben Tages behoben. Durch die umgehend eingeleiteten Maßnahmen waren die Zugriffe auf die Kundendaten über die Internetseiten nicht mehr möglich. Am nächsten Tag hat der Datenschutzbeauftragte die Hamburger Datenschutz-Aufsichtsbehörde über den Vorgang informiert. Außerdem wurde sofort die gesamte IT-Struktur intensiv auf weitere Sicherheitslücken überprüft. Der Verlag hat umgehend auch die Löschung des Zwischenspeichers, des so genannten Caches, bei Google, beantragt, in dem die Daten automatisch abgelegt wurden. Alle vertraulichen Informationen sind inzwischen gelöscht und die Aufsichtsbehörden darüber informiert.

Was tut Axel Springer um die Datensicherheit zu gewährleisten?
Bayer: Der sensible Umgang und Schutz von Kundendaten ist für die Axel Springer AG von großer Bedeutung. Deshalb ist der Datenschutz durch höchste IT-Sicherheitsstandards gewährleistet. Wir bedauern diesen Vorgang sehr, nehmen ihn sehr ernst und möchten uns bei allen, die hiervon betroffen sind, ausdrücklich entschuldigen.

Wer verantwortet bei Ihnen den Datenschutz?
Bayer: Verantwortlich sind die jeweiligen Verlagsgeschäftsführer. Selbstverständlich hat Axel Springer einen eigenen Datenschutzbeauftragten, der in Zusammenarbeit mit den Verlagsleitungen, den Fachabteilungen und dem IT-Bereich den korrekten Umgang mit den Daten überwacht. Denn Leser und Kunden müssen uns vertrauen können und wir werden alles daran setzen, dass das auch so bleibt.

Was tun Sie, um den Betroffenen zu helfen?
Bayer: Wir haben das verantwortliche Management der Wochenblatt-Verlage gebeten zu prüfen, wie man die betroffenen Kunden informieren und ihnen helfen kann. Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, alle durch die Panne verursachten Kosten, wie für die Änderungen von Telefonnummern oder ähnliches, zu übernehmen. Außerdem möchten wir uns auf angemessen Weise bei den Kunden entschuldigen.

Wie verhindern Sie, dass es noch einmal zu so einer Panne kommt?
Bayer: Zum einen forcieren wir sehr intensiv eine Aufklärung, wie es zu diesem Fehler kommen konnte. Schon jetzt werden routinemäßig die Datenbanken, die Schnittstellen und die IT-Struktur in datensensiblen Bereichen auf ihre Zuverlässigkeit geprüft. Und natürlich werden die internen und externen Qualitätssicherungsmechanismen weiter optimiert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg