Auto ist out: Busse und Bahnen immer beliebter, Fahrradhandel boomt

Hohe Spritpreise - Viele Hamburger steigen um

HVV meldet bestes Jahr aller Zeiten. Tankstellenpächter bangen um Existenz.

Hamburg. Busse und Bahnen werden voller, auf den Straßen sind deutlich mehr Radfahrer unterwegs - immer mehr Hamburger lassen das Auto stehen und steigen auf billigere und umweltfreundlichere Verkehrsmittel um.

Hauptprofiteur ist der Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Gestern wurden aktuelle Zahlen vorgelegt. 2007 war das beste Jahr aller Zeiten: 618 Millionen Fahrgäste wurden gezählt. Auch für 2008 sieht es gut aus: "Wir gehen von einem Zuwachs von 12 Millionen Fahrgästen aus. Ein Grund sind die hohen Benzinpreise", sagte Geschäftsführer Lutz Aigner. Auffällig sei der Zuwachs bei den Zeitkarten für Berufstätige. "Hier stieg der Verkauf von Januar bis Ende Mai um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, das sind 15 700 mehr Kunden", so Aigner.

Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) kündigt sich auch ein großes Plus bei den Fahrradverkäufen an. "Händler berichten von einem Zuwachs von bis zu 20 Prozent seit dem Frühjahr", sagt ADFC-Verkehrsreferent Wilhelm Hörmann. Roger Tenner vom Fahrradladen Storm Cycles (Neustadt) bestätigt den Trend. "Zudem haben wir 50 Prozent mehr Reparaturen", sagt er. Einer von denen, die jetzt verstärkt das Fahrrad nutzen, ist Juan Ramon (32) aus Winterhude: "Ich habe zwar ein Auto, aber ich bin diesen Monat erst einmal damit gefahren." Zu den Gewinnern gehören auch Unternehmen, die das sogenannte Carsharing-Modell anbieten. Dabei teilen sich mehrere Autofahrer einen Wagen. "Im vergangenen Jahr hatten wir 450 Kunden, bis heute hat sich diese Zahl mit 827 fast verdoppelt", sagt Martina Dannheim, Sprecherin von cambio Carsharing. Anstatt sechs Stationen, an denen Autos geparkt und gewartet werden, gebe es nun bereits elf.

Auf der anderen Seite stehen Leidtragende wie Tankstellen-Pächter: "Viele verkaufen nicht nur weniger Sprit, sondern müssen auch Einbußen im Shopgeschäft und bei der Autowäsche hinnehmen", sagt Martina Krassowski vom Norddeutschen Tankstellen- und Garagengewerbe. Der Preisdruck lasse Tankstellen langfristig sterben. Wer im Januar seinen 60-Liter-Tank füllte, zahlte rund 80 Euro. Jetzt sind es mehr als 90 Euro - für immer mehr Menschen ist die Schmerzgrenze erreicht. Viele Pendler aus dem Umland bilden deshalb Fahrgemeinschaften. Niemand rechnet damit, dass die Preisspirale gestoppt werden kann und Sprit wieder billiger wird. Laut Experten wird sich der Trend zum Umsteigen fortsetzen.