Eine neue Heimat für 50 Marienkäfer

Volksfestatmosphäre am Zikadenweg: Mehr als hundert Kinder, Eltern, Erzieher und Freunde der Kita "Marienkäfer" zogen mit Luftballons, Livemusik und Leckereien vom Grill in ihr neues Zuhause.

Keine Spur mehr von den Strapazen der vergangenen drei Jahre. "Wir sind erleichtert und glücklich, dass dieses traurige Kapitel nun ein gutes Ende genommen hat. Deshalb feiern heute auch alle, die dieses Projekt unterstützt haben, gemeinsam ihren Erfolg", sagte Sabine Skwara, Vorsitzende des Marienkäfer e.V.

Zusammen mit anderen Müttern gründete sie den Verein, nachdem das Landgericht Hamburg am 8. August 2005 mit einem Urteil das Aus der Marienthaler Kita bewirkt hatte. 14 Jahre lang bewohnten sie ein Haus am Nöpps 2, bis Nachbarn wegen des Kinderlärms prozessierten - und am Ende recht bekamen. Dieses "Symbol für Kinderfeindlichkeit in Deutschland", wie es Sabine Skwara in ihrer Begrüßung nannte, hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. "Aber es ist auch eine unglaubliche Gemeinschaft durch diesen Umzug entstanden", sagte Holger Gnekow, Gründer von Deutschlands wohl berühmtester Kita.

Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU), der wie viele der Anwesenden ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Ich bin ein Marienkäfer" trug, hofft, dass die Kita "eine verlässliche Stätte für Eltern" wird. "Aus dem Fall Marienkäfer können wir lernen, dass Engagement zu Lösungen führt", sagte der Senator im Hinblick auf die zwei Meter hohe und 60 Meter lange Lärmschutzwand, die als Kompromiss mit den Nachbarn gebaut wurde.

Einen tollen Ort, an dem Jung und Alt sich treffen, nannte Cornelia Schröder-Piller, Bezirksamtsleiterin Wandsbek, den Zikadenweg 18. Tatsächlich trafen sich an diesem Wochenende ganze Generationen von Marienkäfern, vom Kleinsten, Henri, über "Schulis" wie Paula und Caroline bis zur Ältesten, Heike Gnekow, die "im Herzen immer ein Marienkäfer" bleiben wird.

Morgen nimmt die Kita ihren Betrieb auf. "Hoffentlich ohne Beschwerden", sagt Marie Francoise Schönrock (64), deren Enkel Georg in die Kita geht und die eine ältere Anwohnerin beschwichtigen musste. "Sie sorgt sich um Lärm und Verkehrschaos, wenn Eltern ihre Kinder abholen. Ich habe gesagt, dass das doch höchstens eine Viertelstunde am Tag ist." Auch Rechtsanwalt Andreas Quack, der für den Kindergarten den Prozess führte, äußerte Skepsis - bei aller Euphorie über den neuen Standort: "Man bleibt natürlich immer wachsam."