Leserbrief zu "Auszählungspannen"

Abgestraft

Auch ich war eine der zahlreichen Wahlhelferinnen (Auszählungsort Wandsbek) und kann bestätigen, daß die Auszählung der Stimmen von vielen Wahlhelfern verschleppt wurde, um das Sitzungsgeld für volle drei Tage zu erhalten. Obwohl unser auszuzählender Wahlkreis nicht klein war, hat unsere Gruppe wie vorgeschrieben ab 8.00 Uhr morgens konzentriert und gewissenhaft gearbeitet und war gegen Mittag fertig. Auf anderen Fluren hingegen ging es teilweise zu wie auf einem Betriebsausflug. Nirgendwo war eine Kontrolle zu spüren.

Auch hörte man immer wieder Gespräche einzelner Wahlhelfer, sich ja nicht zu sehr zu beeilen und die Auszählung bis Mittwoch hinauszuzögern. Viele schienen auch mit den Auszählungsmodalitäten überfordert zu sein. Als wir uns nach ordnungsgemäßer Abgabe unserer Protokolle und der ausgezählten Wahlunterlagen am Montag mittag bereit erklärten, andere Gruppen zu unterstützen, so wie uns das in der "Informationsveranstaltung für Wahlvorstände" am 18. Februar auch gesagt wurde, erklärte uns eine leitende Mitarbeiterin der Landeswahlstelle stattdessen, daß man für evtl. Engpässe weitere Wahlhelfer in Reserve habe und unser Einsatz beendet sei. Auf meinen Protest hin, daß ich als stellv. Wahlvorsteherin von der Landeswahlbehörde schriftlich für die Zeit vom 25. bis 27. Februar zum Auszählen verpflichtet wurde und dieses per Unterschrift bestätigen mußte, wurde ich ziemlich rüde abgefertigt.

Auch daß Helfer für die Auszählung drei Tage Urlaub genommen und sämtliche anderen Verpflichtungen hintenangestellt haben, interessierte nicht mehr. Somit wurden wir für unsere Ehrlichkeit und unseren Fleiß regelrecht abgestraft.

Aus einem weiteren Wahlbezirk habe ich inzwischen erfahren, daß dort Helfer für volle drei Tage bezahlt wurden, obwohl die Auszählung früher beendet war. Ich persönlich hätte mich auch für weniger Aufwandsentschädigung in die Ehrenpflicht nehmen lassen, aber nach diesen Vorkommnissen und dieser Ungleichbehandlung hält sich mein Idealismus bei künftigen Wahlen in Grenzen.

Ursula Thielemann, Hamburg