Influenza: Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen: Schon mehr als 1000 Kranke

Spanische Grippe wieder ausgebrochen

Am schwersten betroffen sind Menschen zwischen 25 und 40 Jahren. Aber auch Schulen und Kitas melden erhöhten Krankenstand. Impfung bietet Schutz.

Die Grippewelle hat Hamburg erreicht: Mehr als 1000 Menschen leiden in der Hansestadt nach Schätzungen der Ärzte derzeit schon an hohem Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. "Allein in den vergangenen drei Tagen sind in meiner Praxis sieben von neun Patienten, die über die entsprechenden Symptome klagten, positiv auf das Influenza-Virus H1N1 getestet worden", sagt der Internist Dr. Martin Ehlers (45) aus Winterhude.

Dieses Virus gilt als extrem aggressiv, hat zuletzt 1977 als "Spanische Grippe" eine Pandemie ausgelöst. "Danach hat das Virus jahrelang keine Rolle mehr gespielt, aber jetzt ist es wieder unterwegs", sagt Ehlers. Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt bestätigt die Erkrankungswelle: "Es gibt Anzeichen für eine zunehmende Erreger-zirkulation in der Bevölkerung." Einige Kindergärten und Schulen hätten die Gesundheitsämter informiert, dass zahlreiche Kinder krankgemeldet worden seien. Doch am stärksten betrifft das Virus Menschen zwischen 25 und 40 Jahren. Der Grund: Ihr Körper kennt das gefährliche Virus nicht. "Ältere, die womöglich bereits 1977 erkrankt waren, haben eine sogenannte Rest-Immunität entwickelt", sagt Ehlers. "Es ist mit krankheitsbedingten Ausfällen zu rechnen, weil es eine Altersgruppe trifft, die in der Regel berufstätig ist."

Wie Thomas Daubner. Er fühlte sich kerngesund - und nur eine Stunde später todkrank. "Es kam schlagartig", sagt der Geschäftsmann. "Plötzlich hatte ich Halsschmerzen, Schüttelfrost, Gliederschmerzen. Mir war sofort klar, dass es hier nicht um eine kleine Erkältung geht." Seit mehr als einer Woche ist der 37-Jährige jetzt schon krankgeschrieben. "Bis gestern habe ich zu Hause eine Art Mundschutz getragen. Ich will schließlich nicht, dass sich unser kleines Kind ansteckt."

Das plötzliche Auftreten der Krankheit ist ein eindeutiger Hinweis auf eine Grippe, sagt Dr. Klaus Schäfer, Vizepräsident der Ärztekammer Hamburg: "Es fühlt sich an, als würde plötzlich ein Schalter umgelegt." Bereits Anfang des Monats habe er in seiner Praxis in Langenhorn vermehrt Grippepatienten behandeln müssen: "Der eine geht, der nächste kommt. Diese Zeiten gibt es", sagt Schäfer.

Noch haben große Arbeitgeber wie Otto oder auch die Saga keinen Anstieg krankheitsbedingter Ausfälle zu verzeichnen. Insgesamt gehen pro Grippewelle zehn bis zwölf Prozent aller Krankmeldungen auf das Konto von Influenza. Bis zu 2,5 Millionen Beschäftigte melden sich bundesweit im Laufe eines Winters wegen Grippe krank. "In den kommenden Tagen soll es noch einmal richtig kalt werden", sagt Mediziner Ehlers. "Das ist natürlich optimales Terrain für das Virus." Aber wer geimpft sei, könne beruhigt sein: "Die Grippe-Impfung deckt dieses Virus perfekt ab."

Das merkt man auch bei Beiersdorf: "Von unseren 4500 Beschäftigten haben sich 728 vom Betriebsarzt gegen Grippe impfen lassen. Daher ist die Zahl der Krankmeldungen gering." Auch jetzt sei es für eine Impfung noch nicht zu spät, sagen die Ärzte. "Eine Woche nach der Impfung wirkt der Schutz", sagt Schäfer.

Wen es doch erwischt, der sollte schnell einen Arzt aufsuchen. "Innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Symptome sollte die Behandlung beginnen. Nur so kann eine Lungenentzündung verhindert werden", sagt Ehlers.