Streit: "Flüsterpflaster" für 440 000 Euro - CDU Mitte kritisiert Steuerverschwendung

Bezirk baut Straße neu - weil es der Haspa zu laut ist

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Matthias Rebaschus

Die Fahrbahn ist technisch in bestem Zustand, dennoch wird sie bald aufgerissen. Anlieger der Normannenstraße zahlen ein Drittel der Kosten.

Schlaglöcher, Spurrillen, Fahrbahnrisse. Immer wieder wird in Hamburg der Zustand der Straßen und Radwege heftig beklagt. Nun wird im Bezirk Mitte eine Straße für 440 000 Euro "ausgebessert", die gar nicht kaputt ist und nicht mal ein kleines Schlagloch hat. Eine Straße, die verkehrstechnisch völlig in Ordnung ist. Der kopfsteingepflasterte Normannenweg in Borgfelde soll ab Oktober asphaltiert werden und ein "Flüsterpflaster" erhalten - auf Wunsch der Hamburger Sparkasse, die in ihrem dortigen Hanse Center keinen entsprechenden Lärmschutz eingeplant hat. Den Lärm verursachen vor allem die rund 150 Lkw, die täglich dort fahren - 80 von ihnen fahren übrigens die Haspa an.

Die Haspa wünscht ein "leises" Pflaster, für ihr neues Hanse Center zum Normannenweg hin. Denn hier funktioniert die Lüftung nur mit geöffneten Fenstern. Auf der anderen Gebäudeseite, zur viel befahrenen Eiffestraße hin, funktioniert es dagegen: Dort können die Fenster geschlossen bleiben, ein Belüftungssystem macht es möglich. Das Hanse Center ist das neue Dienstleistungszentrum der Bank.

256 000 Euro zahlt der Bezirk Mitte für das "Flüsterpflaster" aus dem Topf "Grundinstandsetzung". 144 000 Euro will die Haspa mit anderen Anliegern für die Asphaltierung aufbringen. Wie die Anlieger sich die Kosten teilen, wollte die Haspa nicht sagen. "Dazu geben wir keine Auskunft", sagt Haspa-Sprecher Marcus-Andree Schoene.

Der Normannenweg in Borgfelde. Eine kurze Industriestraße parallel zur Eiffestraße. Viele Gewerbeunternehmen sind hier ansässig: eine Spedition, Großhändler, Elektrotechnikunternehmen, Importfirmen, eine Autoreparatur, Spezialhändler für Schiffsbedarf oder Fliesen, eine Zylinder- und Kurbelwellenschleiferei und eine Hörgerätefirma. Eine Industriestraße, durch die täglich etwa 150 Lastwagen fahren, die tatsächlich eine Menge Lärm verursachen. "Hier wackeln die Tassen, wenn ein Laster mit einem leeren Hafencontainer über das Pflaster donnert", klagen Anlieger.

Die Normannenstraße ist im Wandel. Die Haspa ist mit 1500 Mitarbeitern in den Neubau gezogen. Zwei städtische Unternehmen folgen mit Hunderten von Büromitarbeitern: Das Zentrum für Aus- und Fortbildung (ZAF) und das Zentrum für Personaldienste (ZPD) wollen an den Normannenweg ziehen.

Die Kostenteilung für die Straße ist umstritten. Selbst aus der Behörde wurde Kritik laut, dass die Stadt sich hätte "über den Tisch ziehen lassen". Ursprünglich hätte die Haspa angeboten, die Hälfte der Kosten zu tragen. Auch die Bezirks-CDU übt heftige Kritik. CDU-Fraktionschef Christoph de Vries sagt: "Es ist eine wesentliche Anforderung an Politik und Verwaltung, mit den Steuergeldern der Bürger sparsam umzugehen. Gerade beim Umgang mit Instandsetzungsmitteln für Straßen, die knapp bemessen sind und nur zur Abarbeitung der dringlichsten Aufgaben reichen, ist es mir ein Rätsel, warum staatliche Gelder verschleudert werden." Auch der Bund der Steuerzahler ist gegen das Projekt. "Wenn die Straße verkehrssicher ist und gegen keine Lärmvorschriften verstößt, soll sie so bleiben, wie sie ist", sagt Gertrud Erdmann, Geschäftsführerin des Steuerzahlerbundes. Die Bank könne ja Lärmschutzfenster einbauen. Bezirksamtsleiter Markus Schreiber verteidigt dagegen das Projekt: "Die Kostenteilung ist fair ausgehandelt."

Haspa-Sprecher Schoene sagt: "Für das Haspa Hanse Center bedeutet die Sanierung eine deutliche Reduzierung der Lärmbelastung, insbesondere für die Schulungsräume im Erdgeschoss, aber auch für die vielen hundert Arbeitsplätze, die zum Normannenweg hin ausgerichtet sind." Das Gebäude sei "klimatechnisch für eine direkte Belüftung mittels der Fenster" ausgelegt. Eine schnelle Lösung sei daher angezeigt gewesen.

Wann die Arbeiten im Normannenweg beginnen werden, ist noch unklar. Der Bezirk Mitte will das Projekt in den kommenden Wochen ausschreiben. Der ursprünglich avisierte Baubeginn zum 1. Oktober wird daher auf keinen Fall zu halten sein.

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