Modellprojekt: Neubau kommt ohne Heizung aus

Die Energiespar-Schule

Die Hamburger Brecht-Schulen planen auf ihrem Gelände an der Norderstraße einen europaweit einzigartigen Schulneubau.

Das Gebäude wird komplett ohne Heizungen auskommen und auf Basis eines Mixes aus regenerativen Energien ganzjährig temperiert. Im Vergleich zu ähnlich großen Gebäuden prognostizieren die Fachleute eine CO2-Einsparung von mindestens 35 Prozent. Gestern haben sich der Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg und der Bürgerschaftsabgeordnete Andreas Wankum (beide CDU) vor Ort über das Projekt informiert.

"Neben dem neuen Schulgebäude wird ein sechs Meter hoher Turm stehen, der die Außenluft über Unterdruck ansaugt", erklärt Architekt Roger Klindtworth von KKS Architekten die Technik. Ein Rohrsystem unter der Bodenplatte der Tiefgarage soll dann wie ein Wärmetauscher wirken. Im Sommer gibt es Wärme ins Erdreich ab und kühlt die warme Außenluft, im Winter wird die Luft erwärmt. Die Abluft der Klassenräume strömt in den Fassadenzwischenraum - eine doppelte Glasfassade - mit Lüftungsklappen an der Oberseite. Wie bei einem Kamin entsteht eine Schornsteinwirkung, so Klindtworth. Zusätzlich wird das Schulgebäude mit dem Lichtsystem Dynamic Lighting ausgestattet. Diese Leuchten imitieren den natürlichen Tagesrhythmus und passen sich dem Biorhythmus des Menschen an.

"Das neue Gebäude wird ein Pilotprojekt in Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz", sagte Petra Piontek, Geschäftsführerin der Brecht-Schulen. Mit dem Neubau wollen die Brecht-Schulen komplett an die Norderstraße ziehen und ihren Standort am Holzdamm aufgeben.

Die Gesamtkosten des Baus - 6000 Quadratmeter Schulgebäude plus 1600 Quadratmeter Tiefgarage - betragen rund 11,8 Millionen Euro. Finanziert werden soll das Projekt über den Verkauf des Schulgebäudes am Holzdamm, 40 Prozent über einen Kredit, außerdem hofft Projektleiter Markus Linzmair auf eine umfangreiche wissenschaftliche Förderung. "Das Projekt erfüllt sämtliche Bedingungen und wird mit Sicherheit zu einem Vorzeigeobjekt in Europa", sagte er.

Auch Marcus Weinberg zeigte sich begeistert vom Modell und versprach in Berlin für das Objekt und entsprechende Fördermittel zu werben. "Hamburg liegt mit diesem Bau ganz weit vorn", sagte Weinberg.

Der Baubeginn ist für September geplant, schon im Herbst 2008 soll das Schulgebäude fertig sein.