Besuch bei den Hightech-Buddhisten

Es war ein Start mit Hindernissen: Weil das planmäßige Flugzeug kurzfristig ausgefallen war, musste die 50-köpfige Delegation mit Bürgermeister Ole von Beust (CDU) an der Spitze am Sonnabend schnell über den Frankfurter Flughafen chauffiert werden.

Shanghai. Aus Shanghai berichtet Peter Ulrich Meyer

Es war ein Start mit Hindernissen: Weil das planmäßige Flugzeug kurzfristig ausgefallen war, musste die 50-köpfige Delegation mit Bürgermeister Ole von Beust (CDU) an der Spitze am Sonnabend schnell über den Frankfurter Flughafen chauffiert werden, um eine Ersatzmaschine zum Weiterflug nach China zu erreichen. Mit 30 Minuten Verspätung hob die Boeing 747/400 "Schleswig-Holstein" ab - mit Kurs Shanghai. "Das ist unsere Regierungsmaschine. Die haben wir ausnahmsweise bereitgestellt" frozzelte Schleswig-Holsteins Umweltminister Christian von Boetticher, der Beust begleitet.

Neuneinhalb Stunden später, Sonntagmittag: Shanghai ist mit 18,6 Millionen Einwohnern die zweitgrößte chinesische Stadt. Skyline und Straßenverkehr lassen kaum einen Unterschied zu vergleichbaren Metropolen erkennen. Es dauert eine halbe Stunde Busfahrt vom Flughafen in die Stadt, bis die erste rotchinesische Fahne in der leichten Meeresbrise flattert. Der Staat präsentiert sich zurückhaltend.

Kurz darauf sind auch die ersten drei Fahrräder zu sehen. Ja, es gibt sie noch in China, wo sie noch vor wenigen Jahrzehnten das einzige Verkehrsmittel waren. Aber die Fahrräder sind buchstäblich an den Rand gedrängt auf Shanghais Straßen. Aber auch in der Hektik des Shanghaier Alltags mit seinen Verkehrsstaus gibt es Oasen der Ruhe, scheinbar wenigstens.

Mitten in Shanghai liegt das Longhua-Kloster mit dem berühmten Jade-Buddha-Tempel. Hierhin führt die erste Tour der Delegation. Der kahlköpfige Abt Jue Xing begrüßt von Beust und die Mitreisenden in seinem ockerfarbenen Gewand der Buddhisten. Aber selbst hier ist nichts mehr so wie früher. "Das Mönchsleben ist kompliziert geworden. Früher haben wir einfach gegessen und die Schriften gelesen. Das reicht heute nicht mehr", sagt Jue Xing. Einige seiner 80 Brüder studieren heute, lernen Fremdsprachen, um mit den Besuchern aus fernen Ländern sprechen zu können.

"Wir haben auch eine Internetseite, von der Kinder Spiele zum Thema Buddhismus herunterladen können", sagt der moderne Abt. Und dann erzählt Jue Xing von der Karte, die ihm wie allen Mönchen um den Hals baumelt:

"Das ist unsere Identitätskarte, und ein elektronischer Türöffner. Damit kommen wir in den Esssaal und in die Tiefgarage." Die Mönche fahren mit dem Auto in die Tiefgarage unter der jahrhundertealten Klosteranlage, um dann oben Touristen und Buddhisten die Religion und die Bauwerke näher zu bringen? Eine Shanghai-typische Variante des Klosterlebens: traditionsbewusst und geschäftstüchtig zugleich.

"Es ist hektischer geworden, aber auch grüner und sauberer", lautet die Bilanz von Ole von Beust am Ende des ersten Tages. Der Bürgermeister hatte die Interessen Hamburgs bereits vor zwei und fünf Jahren hier vertreten. Heute beginnt das eigentliche Besuchsprogramm der Reise mit Gesprächen zu den Themen Umweltschutz und Weltausstellung 2010, die in Shanghai stattfinden wird.