Streit um jüdische Villa: Beust greift ein

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat sich in den Streit um den möglichen Verkauf des Wohnhauses Rothenbaumchaussee 19 eingeschaltet, das der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) als Rechtsnachfolgerin des Nationalsozialistischen Lehrerbundes gehört. Eine GEW-Vertreterversammlung hatte sich mit knapper Mehrheit gegen den Verkauf des Hauses ausgesprochen, das bis 1935 fünf Hamburger Juden gehörte.

"Ich appelliere dringend an die GEW, diese Entscheidung zu überdenken", sagte von Beust. "Hier dürfen nicht materielle Interessen im Vordergrund stehen und erst recht nicht die wirtschaftliche Situation der GEW." Deren Chef Klaus Bullan hatte gesagt, dass die GEW auf die Mieteinnahmen aus dem Haus gegenwärtig angewiesen sei.

Seit 2001 tobt bereits eine GEW-interne Auseinandersetzung über den Umgang mit der Immobilie. Eine Gruppe will das Haus für einen geringen Preis an die Stadt mit der Option verkaufen, dort ein jüdisches Museum einzurichten. Eine zweite Gruppe bezweifelt, dass die Eigentümergruppe den Gründerzeitbau unter dem Druck der NS-Verfolgung weit unter Preis verkaufen musste. Damit verbunden war der jetzt beschlossene Vorschlag, 10 000 Euro jährlich für antirassistische Projekte zu spenden.

Die Idee der GEW, mit dem Geld den Bertini-Preis aufzustocken, lehnten die Bertini-Stiftung und Ralph Giordano ab. "Die GEW-Mitglieder stehen gerade im Verhältnis zu den Schülern in einer besonderen erzieherischen Verantwortung", sagte von Beust. Es gehe nicht um juristische Fragen, "sondern um die moralische Pflicht, um die historische Verantwortung und um menschlichen Anstand".

"Mit großem Bedauern habe ich die Entscheidung der GEW zur Kenntnis genommen, sich nicht ihrer historischen Verantwortung zu stellen", sagte Andreas C. Wankum, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. "Durch Instrumentalisierung des Bertini-Preises hat man sogar versucht, das erfolgte Unrecht auch noch ins Gegenteil zu verkehren", kritisierte Wankum.