Experiment: Fünf Tage arbeiteten berühmte Sprayer im Karoviertel - Liveübertragung im Internet

"Next-wall" - das virtuelle Graffiti-Projekt

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Franziska Coesfeld

Die Werbeagentur Jung von Matt/next lud Deutschlands beste Sprühdosen-Künstler nach Hamburg.

Aus der Masse der Anonymität herausstechen, um Aufmerksamkeit zu erregen: Ziele, die sich sowohl die Werbung als auch Graffitikünstler setzen. Fünf Graffitimaler von Weltrang und die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt/next haben diese Parallele genutzt und gemeinsam ein Kommunikationsexperiment auf die Beine gestellt: ein Mix aus Street-Art und digitalen Technologien.

Zum Auftakt des Projekts "next-wall" gestalteten die Künstler Daim, Tasek, Daddy Cool, Seak und Desur im Karoviertel ein interaktives Wandbild. Innerhalb von fünf Tagen kreierten die professionellen Sprayer, von denen drei aus Hamburg stammen, im Hinterhof der Werbeagentur (Grabenstraße 25) auf einer tristen Betonwand ein farbenprächtiges Kunstwerk, das die Geschichte des Graffito zeigt. Die Entstehung des Bildes konnte im Internet live miterlebt werden. "Mit dem Projekt wollen wir neue Räume wie das Internet und Handy erobern", sagt Simone Ashoff, Geschäftsführerin von Jung von Matt/next. Unter anderem sei geplant, dass sich Internet-User mithilfe von Computer-Malwerkzeugen interaktiv an Graffitibildern beteiligen können.

Der Hamburger Daim, der mit bürgerlichem Namen Mirko Reisser heißt, hat sich seit fast 20 Jahren der Kunst aus der Dose verschrieben. Doch der 35-Jährige ist keiner von denen, die nachts losziehen und Häuser bemalen. Daim verdient seit seinem 19. Lebensjahr mit Graffitikunst seinen Lebensunterhalt.

Graffiti, die in den 80er-Jahren in Deutschland bekannt wurden, ist für ihn weitaus mehr als Buchstaben und Zeichnungen. "Graffito ist eine junge Kunstrichtung, die sich im Laufe der Jahre auf dem Markt etabliert hat", sagt er. Dass er sich als Künstler versteht, sei ihm bei seiner ersten Steuererklärung 1992 bewusst geworden. Dort musste ich zum ersten Mal in einer Spalte meinen Beruf angeben. "Graffito ist eine ganz besondere Kommunikationsform. Wenn ich etwa in Brasilien mit einem einheimischen Künstler eine Wandarbeit machen will, ist es egal, ob wir uns verbal verständigen können oder nicht. Denn wir sprechen beide die Sprache des Graffito." Eine Sprache, die er nun in die virtuelle Welt transportieren will.

( coe )

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