Streit: Alster-Touristik lässt "Ms Rodenbek" verschrotten, obwohl ein Kaufangebot vorliegt

Wie die Alsterflotte 50 000 Euro versenkt . . .

Verein Alsterdampfschifffahrt bot 50 000 Euro für die "Rodenbek". Die ATG lehnte ab. Auch Museumsfahrten gefährdet.

Der Kleinkrieg zwischen der städtischen Alster-Touristik GmbH (ATG) und dem Verein Alsterdampfschifffahrt spitzt sich zu. Obwohl der Verein der ATG den ausgemusterten Alsterdampfer "Rodenbek" für 50 000 Euro abkaufen wollte, lässt die ATG das Schiff jetzt verschrotten: "Es ist unglaublich. Die ATG verzichtet auf so viel Geld, nur weil sie uns das Schiff nicht verkaufen will", sagt der Vereinsvorsitzende Matthias Kruse (41). In der vergangenen Woche wurden das Dach und Teile der Seitenwände des Schiffs auf der Alsterwerft demontiert. Am Wochenende wurde das Schiff, das noch im vergangenen Jahr Tausende Hamburger und Touristen über die Alster schipperte, zur Verschrottung zur Firma "Spezialschiffbau Oortkaten" gebracht.

Für Kruse ist das nicht nachvollziehbar: "Das Schiff hätte auf jeden Fall noch bis 2011 eingesetzt werden können. Unser Kaufangebot liegt Herrn Wrage seit Januar schriftlich vor." Doch ATG-Geschäftsführer Jens Wrage kann die Aufregung nicht verstehen: "Wir haben im vergangenen Jahr mit dem ,Alsterschwan' ein neues Schiff bekommen. Da wir uns gegenüber der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) verpflichtet haben, die Zahl der Schiffe unserer Flotte nicht zu erhöhen, mussten wir uns von der ,Rodenbek' trennen." Doch warum wird das Schiff verschrottet und auf 50 000 Euro verzichtet? Zunächst war geplant gewesen, den Alsterdampfer nach Nigeria zu verkaufen. "Doch das hat sich zerschlagen, deshalb haben wir uns für die Verschrottung entschieden", sagt Wrage. Und warum wurde dem Verein das Schiff nicht verkauft? "Es ist nicht einzusehen, einem gemeinnützigen Verein ein weiteres Schiff zu verkaufen, damit dieser seine Flotte auf der Alster ausbauen kann", so Wrage. Unterdessen ist weiterhin unklar, wann der historische Alsterdampfer "St. Georg" des Vereins die Museumslinie zwischen dem Jungfernstieg und dem Museum der Arbeit wieder bedienen kann. Denn die ATG hat dem Verein die Nutzung ihrer Stege untersagt, nachdem sich die beiden nicht auf die Verlängerung eines Kooperationsvertrages einigen konnten. Eigentlich sollte die Saison für die "St. Georg" am vergangenen Sonnabend, 24. März, beginnen. Am Freitag treffen sich Wrage und Kruse zu einem Vermittlungsgespräch bei der BSU.