Festakt: Talmud-Tora-Schule am Grindelhof nach der Sanierung eingeweiht

Das Herz des jüdischen Lebens

1911 errichtetes Gebäude ist jetzt auch das neue Zentrum der Jüdischen Gemeinde in Hamburg.

"Das Herz des jüdischen Lebens in Hamburg schlägt wieder an seinem angestammten Platz im Grindelviertel." Für Andreas Wankum, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, war die Einweihung der Talmud-Tora-Schule - dem neuen Zentrum der Jüdischen Gemeinde in Hamburg - ein bewegender Moment. Am Mittwoch weihte Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay das für drei Millionen Euro sanierte Gebäude am Grindelhof 30 ein. Nach jüdischem Brauch brachte der 59-Jährige an einem Türpfosten im Eingangsbereich eine Mesusah an - einen kleiner Behälter mit einer Gebetsrolle im Inneren. "Es ist eine wichtige Vorschrift in der Tora, in einem jüdischen Haushalt an jeden Türrahmen gleich beim Einzug diese traditionellen Schriftkapseln anzubringen", sagte Dov-Levy Barsilay.

Bisher hatte die Jüdische Gemeinde ihr Zentrum in der Schäferkampsallee. "Nach 75 Jahren schließt sich nun ein Kreis", sagte Wankum. Am 7. März 1932 war die Talmud-Tora-Schule als Oberrealschule mit Reifeprüfungsberechtigung anerkannt worden. "Damals freute sich die Gemeinde auf eine sonnige Zukunft. Niemand ahnte, welch schreckliche Zeit anstehen würde", sagte Wankum in seiner Ansprache.

Vor fast 65 Jahren, am 30. Juni 1942, wurde die Talmud-Tora-Schule von den Nationalsozialisten geschlossen und zu einem Sammelplatz für Deportationen umfunktioniert. Von den 343 Schülern überlebten nur wenige. Nach dem Krieg kaufte die Stadt das 3000 Quadratmeter große Gebäude von der Jewish-Claims-Conference. Zwischenzeitlich befand sich in den Räumlichkeiten die Bibliothek der Fachhochschule. Im Jahr 2004 gab die Hansestadt das historische Gebäude an die Jüdische Gemeinde zurück, die heute rund 3500 Mitglieder zählt. "Wir freuen uns, dass hier künftig das soziale und kulturelle Leben der Jüdischen Gemeinde stattfinden wird", sagte Wankum. Demnächst beherbergt die von dem Architektenbüro "nhm" restaurierte Talmud-Tora-Schule die Gemeindeverwaltung, einen Kindergarten, einen Hort und ab dem Schuljahr 2007/2008 die wiedergegründete jüdische Joseph-Carlebach-Schule - eine Ganztagsgrundschule, in der die Kinder bis 18 Uhr betreut und mit koscherem Essen versorgt werden. Aber auch Kinder, die nicht dem jüdischen Glauben angehören, können die verschiedenen Einrichtungen besuchen. Die Kosten für die Privatschule betragen monatlich etwa 250 Euro. Die Sanierung des Gebäudes wurde von der Stadt, von Stiftungen und von den Beiträgen der Gemeindemitglieder finanziert.

Für Dov-Levy Barsilay ist der Einzug in das 1911 errichtete Gebäude ein höchst bedeutsames Ereignis: "Das ist eine Verfestigung des jüdischen Lebens in Hamburg."