Schlüterstraße: Uni soll die Alte Post mieten

Die Alte Post an der Schlüterstraße (Rotherbaum) ist ein 100 Jahre alter architektonischer Traum in märkischer Gotik mit weinlaubberankter Fassade. Jetzt soll der Streit um die Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes beendet werden: Bezirksverwaltung und -politiker wollen den Bebauungsplan ändern.

Hintergrund: 2003 verkaufte die Telekom im Zuge ihrer Privatisierung das Gebäude an eine Fondsgesellschaft des Bankhauses Wölbern, nachdem Verhandlungen mit der Stadt am geforderten Kaufpreis von 60 Millionen Euro gescheitert waren. SPD und GAL wollten daraufhin den Bebauungsplan des Gebäudes ändern, von einer öffentlichen Nutzung in eine gewerbliche. Aber Anwohner protestierten heftig, sammelten mehr als 1500 Unterschriften. Sie befürchteten eine wesentliche Verschlechterung der Verkehrssituation im Quartier - auch weil die nahe Universität weitere Flächen benötigt. Die Initiative forderte, dass die Uni-Verwaltung oder Fakultäten der Hochschule in das Gebäude ziehen sollten.

Ihre Demonstrationen hatten Erfolg. Drei Jahre nach dem Verkauf des Gebäudes haben sich die Fondsgesellschaft, die Uni sowie der Bezirk angenähert. Eine Kompromisslösung, mit der auch die "Bürgerinitiative Schlüterstraße" zufrieden ist, scheint nun möglich. "Wir haben in den vergangenen Monaten Gespräche mit allen Parteien geführt", so Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell: "Sowohl Bank als auch Universität haben Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert."

Sein Vorschlag, den der Stadtplanungsausschuss einstimmig annahm: Wenn die Universität mindest 50 Prozent der Alten Post mietet, darf das Bankhaus Wölbern die anderen 50 Prozent an einen kommerziellen Kunden vermieten. Voraussetzung sei lediglich, dass es sich um einen "quartiersverträglichen" Mieter handele. Zur Zeit befinden sich Büros der Telekom und eine Postfiliale in dem etwa 35 000 Quadratmeter großen Gebäude.

Dieter Uenzelmann von der Bürgerinitiative: "Das wäre eine sehr gute Lösung, auch weil die Uni nicht zusätzlich bauen müsste." Bezirkspolitiker Michael Westenberger (CDU) spricht von einem "Glücksfall für den Stadtteil" und ist sich sicher, dass "die Politik an einem Strang ziehen" wird. Aber erst mal müssten Fondsgesellschaft und Uni Gespräche führen.