Ticket-Schatten über der Lufthansa

Kommentar

Dass Häftlinge in der Vollzugsanstalt Glasmoor Arbeit haben, ist eine gute Sache und dient der Resozialisierung. Dass sie dabei Flugtickets prominenter Vielflieger und vertrauliche Daten der Lufthansa-Passagiere in die Hände bekommen, bewirkt das Gegenteil: Ohnehin labile Menschen werden in Versuchung geführt. Justizbehörde und Gefängnisleitung sind nicht hauptverantwortlich für den Datenklau - nicht jeder Handschlag kann kontrolliert werden. Schuld am Desaster sind die Lufthansa und ihr Tochterunternehmen. Es ist ein Unding, dass vertrauliche Details nicht besser geschützt werden. Davon kann auch die Lufthansa-Klageandrohung gegen die Justizvollzugsanstalt nicht ablenken. Auch wenn jetzt Schluss ist mit dieser Prozedur, besteht kein Grund zum Durchatmen. Wer weiß, wie viele Kreditkartennummern mitsamt Adresse und Unterschrift im Umlauf sind? Wer weiß, wie viel Schindluder in den vergangenen Jahren mit Daten aus dem Hamburger Knast getrieben wurde? 2001 entstand der deutschen Volkswirtschaft durch Kredit- und Scheckkartenbetrug ein Schaden in Höhe von 75 Millionen Euro - nur in den seltensten Fällen wurden die Täter ermittelt. Wer kann ahnen, wie viele kriminelle Delikte ihren Ursprung in Norderstedt hatten? Nach undichten Stellen im Miles-&-More-Dschungel fällt somit ein weiterer Schatten auf den sauberen Umgang der Lufthansa mit vertraulichen Informationen ihrer Passagiere. Für die Luftfahrtgesellschaft spricht der rasche Abbruch der Häftlingsarbeit in der vergangenen Woche und die Auslagerung der Flugscheine schon vor fünf Monaten. Zwar sind Aufträge an Gefangene grundsätzlich wünschenswert, doch zeugt die Vergabe vertraulicher Datenarbeiten in die Vollzugsanstalt nicht gerade für ein sensibles Händchen. Dabei ist bei der Lufthansa doch sonst Sicherheit das oberste Prinzip.