Es gibt eine neue unsichtbare Armut

Sven Kummereincke

Kommentar

Jahrzehntelang wurde Deutschland um seine soziale Stabilität beneidet. Das Geheimnis dieser Stabilität lag in einer ungewöhnlich breiten Mittelschicht. Es gab vergleichsweise wenige sehr reiche und vor allem sehr wenige wirklich arme Menschen. Längst bietet sich ein anderes Bild. In unserer durchökonomisierten Gesellschaft wächst die Zahl der Verlierer ständig. Hamburgs neue Armut: In den Hilfseinrichtungen - von der Suppenküche bis zur Kleiderkammer - ist sie anzutreffen. Und es sind eben nicht nur die auf der Straße lebenden Obdachlosen, die diese Hilfe suchen. Es sind immer mehr Menschen, denen man ihre Armut kaum ansieht. Menschen, die einmal zur Mittelschicht gehörten. Es gibt eine neue unsichtbare Armut. Die neue Not - eine neue soziale Frage? Der Grundkonsens unserer Gesellschaft war und ist die soziale Marktwirtschaft. So steht es im Grundgesetz. Diese einst modellhafte Balance zwischen "Sozial" und "Markt" ist aber in Gefahr, wenn Wirtschaft und Staat zu einseitig Wert darauf legen, "schlank" und "effizient" zu sein. Die Kehrseite davon ist täglich zu beobachten - in den Suppenküchen und Kleiderkammern unserer Stadt.

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