Hagenbeck - eine Volkszählung mit Hindernissen

Thai ist gerade mal eineinhalb Jahre alt - und wiegt schon fast so viel wie ein Kleinwagen. Der junge Elefant bringt stolze 714 Kilo auf die Waage. Gemeinsam mit seiner Mutter Thura (4172 kg) und seiner Tante Shandra (3910 kg) mußte er gestern auf einer speziellen Waage zeigen, was in ihm steckt: Inventur im Tierpark Hagenbeck.

Größe, Gewicht, Alter, Bestand - wie jedes Jahr zum Saisonbeginn wird bei Hagenbeck rund vier Wochen lang gemessen, gewogen und gezählt - was bei den Tieren vom Affen bis zum Zwergotter für große Aufregung sorgt. Thai hat in der jüngsten Zeit rund ein bis eineinhalb Kilo am Tag zugelegt - ein Alptraum für jede Frau, genau richtig für Elefantenbabys.

Der Dickhäuter läßt die Prozedur bereitwillig über sich ergehen - schließlich locken die Pfleger mit Äpfeln.

Die Inventur ist jedoch nicht immer so einfach: Die Nasenbären sind beispielsweise sehr flink und klettern gern auf Bäume, um den Kontrolleuren zu entwischen. "Sie sind furchtbar schwer zu unterscheiden", sagte der Tierarzt des Zoos, Dr. Michael Flügger. Die Pfleger mußten immer wieder neu zählen. Auch der Tapir Joao machte es dem Zoopersonal schwer. "Es war nicht leicht, den kleinen Wuselmann zu messen", so Flügger.

Der Tierpark konnte dieses Jahr einige Zuchterfolge präsentieren: Im Juli 2005 kam Onager-Fohlen Simnan zur Welt. Die persischen Halbesel sind sehr selten, weltweit findet man in Zoos nur noch 140 Exemplare. "Da zählt jeder einzelne", sagt Dr. Flügger. Anfang Februar haben auch die Rothschild-Giraffen Nachwuchs bekommen. "Layla ist sehr beliebt", so der Tierarzt. Der Bestand der sehr bedrohten Giraffen-Art werde weltweit auf unter 100 geschätzt, so Flügger.

Zwischen den 349 Tierarten der rund 2500 Tiere in Hagenbeck gibt es extreme Unterschiede. Mit einer Länge von elf Milimetern ist die Waldameise der kleinste Einwohner des Tierparks, die Rothschild-Giraffe mit einer Körperhöhe bis 5,60 Meter das größte. Der asiatische Elefant Hussein hält mit 100 Kilo Heu, 20 Kilo Futterrüben und Buschwerk den Futterrekord, und Orang-Utan Bella ist mit 45 Jahren das älteste Tier in Hagenbeck.

Mit der Halbzeitbilanz der Inventur ist Dr. Flügger sehr zufrieden: "Die Entwicklung der Jungtiere entspricht ganz unseren Vorstellungen."