Mord im Horrorhaus aufgeklärt

St. Georg: DNA überführt Täter. Im Juni 2001 soll der arbeitslose Uwe L. (45) die Prostituierte Melanie R. (22) getötet haben. Ein erneuter Spurenabgleich brachte den Beweis.

Jahrelang hatte er geleugnet, etwas mit dem Mord an der Prostituierten Melanie R. (22) zu tun zu haben. Doch jetzt wurde Uwe L. (45) überführt - durch eine neue Spur und einen Abgleich mit der DNA-Datenbank der Polizei. Der Arbeitslose aus Wilhelmsburg ist der Mann, der im Juni 2001 im sogenannten Horrorhaus am Steindamm (St. Georg) die 22jährige Frau erwürgte, da sind sich die Ermittler der Mordkommission sicher. Ein Richter erließ Haftbefehl, der 45jährige sitzt jetzt in der Untersuchungshaftanstalt.

Rückblick: 8. Juni 2001. Im ehemaligen DAK-Gebäude am Steindamm bricht ein Feuer aus. Bei den Löscharbeiten stellt sich heraus, daß das Elend in das Gebäude eingezogen ist: In dem leerstehenden Haus hausten Junkies, Obdachlose, Prostituierte. Völlig verwahrlost, im Dreck zwischen Spritzen, Essensresten und blutverschmierten Matratzen. Im Erdgeschoß entdecken Feuerwehrleute die Leiche von Melanie R. Das Gebäude wird seitdem Horrorhaus genannt.

Schnell stellt sich heraus: Ein Obdachloser (36) hat das Feuer gelegt, er hatte Streit mit anderen Randständigen. Doch für das Tötungsdelikt scheidet er aus, die Ermittler finden keine belastenden Spuren. Melanie R. wurde erwürgt - doch von wem?

Vier Jahre später wird der "Würger von St. Georg", der gestanden hatte, die Prostituierte Maria K. (19) getötet zu haben, zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Er streitet vehement ab, auch Melanie R. ermordet zu haben - auch wenn Ermittler dies zeitweise vermuten.

Im Jahr 2003 gibt es dann eine erste Übereinstimmung von Spuren aus dem Horrorhaus beim Abgleich mit der DNA-Datenbank. Uwe L. hatte eine Speichelprobe abgeben müssen, in einem Verfahren wegen Vergewaltigung. Doch Uwe L. wird freigesprochen. Und die Spuren besagen nur, daß Uwe L. schon einmal in dem ehemaligen DAK-Haus war, nicht, daß er etwas mit dem Mord zu tun hat.

Doch die Ermittler werden stutzig, weil Uwe L. monatelang abstreitet, jemals in dem Horrorhaus gewesen zu sein. Er behauptet sogar, das Gebäude am Steindamm überhaupt nicht zu kennen. Doch Zeugen haben den Arbeitslosen im Sommer 2001 häufig in St. Georg gesehen. Dazu kommt, daß der Sozialhilfeempfänger damals in der Nähe wohnte, in einem Hotel an der Querstraße auf St. Pauli - bezahlt vom Sozialamt, weil er sonst obdachlos gewesen wäre.

2005: Die Kripo-Experten lassen noch einmal alle am Tatort im Horrorhaus gefundenen Spuren überprüfen. Dabei stellt sich heraus: Uwe L. hatte zu der Prostituierten Melanie R. körperlichen Kontakt, das beweist der genetische Fingerabdruck. Als Fahnder am Tag vor Heiligabend die Wohnung von Uwe L. stürmen, gibt er sich überrascht. Als er mit den neuen kriminaltechnischen Ergebnissen konfrontiert wird, besteht der 45jährige auf sein Aussageverweigerungsrecht.

Der Langzeitarbeitslose ist bereits polizeibekannt - unter anderem wegen Körperverletzung und wegen speziellen Betruges. "Uwe hat wahnsinng viel getrunken", sagt ein Nachbar aus Wilhelmsburg, der mitbekommen hat, wie der Verdächtige verhaftet wurde. "Wenn er getrunken hatte, wurde er aggressiv." Vor etwa zehn Monaten sei die Polizei schon einmal in seiner Wohnung am Ernst-August-Deich gewesen, weiß ein anderer Nachbar. "Er hat offenbar immer wieder seine Frau geschlagen." Seit vergangenem Jahr ist der 45jährige mit einer 20 Jahre alten Frau aus Bulgarien verheiratet. "Die hatte irgendwann die Nase voll", mutmaßt der Nachbar. Jedenfalls habe sie die Polizei gerufen - und sei nach der letzten Prügelei von den Beamten in ein Frauenhaus gebracht worden. Seitdem lebte Uwe L. allein.