CDU wollte Reisen für Jung-Kriminelle stoppen

Es ist nur ein kleiner Satz im Koalitionsvertrag 2001 für den ersten CDU-geführten Senat mit Bürgermeister Ole von Beust an der Spitze - aber hinter dem Satz stand eine hochemotionale politische Debatte. "Auf erlebnispädagogische Reisen für jugendliche Straftäter als Ersatz für Bestrafung wird verzichtet", heißt es eindeutig. Jetzt stellt sich heraus: Nach wie vor werden hochproblematische und straffällig gewordene Jugendliche in zum Teil weit entfernte Länder geschickt - nach Namibia, Spanien oder Schottland.

Seit Beginn der 90er Jahre hatte die damalige Oppositionspartei CDU die SPD-geführten Senate wegen der Reisepädagogik scharf kritisiert. Der Vorwurf: Die teuren Reisen seien für die jugendlichen Kriminellen Urlaub auf Staatskosten. Karl-Heinz Ehlers, damals Innenexperte der CDU-Fraktion, zitierte in einer Bürgerschaftsdebatte 1996 den Sohn eines Polizisten, der seinen Vater gefragt habe: "Wie viele Autos muß ich eigentlich knacken, damit ich kostenlos nach Nepal kommen kann?"

Ausgelöst wurde die Debatte über Erlebnispädagogik durch den Fall Kuttula. In der finnischen Einöde sollten unter anderem Hamburger "Crash-Kids" einen Weg aus der Gewaltspirale finden. Ehlers warf der damaligen Jugendsenatorin Rosemarie Raab (SPD) jedoch vor, zum Beispiel "Crash-Kid" Dennis nach Finnland gebracht zu haben, um ihn der Strafverfolgung zu entziehen.

Die Kritik an der Reisepädagogik und der von zwei 16jährigen verübte Mord an dem Lebensmittelhändler Willi Dabelstein 1998 führten zur Einrichtung des geschlossenen Heims Feuerbergstraße. Von Beust hatte sich entschieden für ein Heim in norddeutscher Kooperation auf dem flachen Land eingesetzt. Eine solche Einrichtung hätte auch ein Leben fern der Gefährdungen der Großstadt ermöglicht - wie die kritisierten Reisen. Doch diese Idee wurde nicht weiterverfolgt.