Trauer um den Autor Karl-Heinz Söhler

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Dirk Strothmann

Nichts beschreibt ihn besser als die Titel seiner Bücher: "Es schadet nicht, vergnügt zu sein", "Freude lohnt sich immer" oder auch "Lächeln macht das Leben reicher". Jetzt müssen wir ohne ihn lächeln. Gut einen Monat vor seinem 82. Geburtstag starb Karl-Heinz Söhler, der jahrzehntelang die Leser des Hamburger Abendblatts, und nicht nur diese, mit seinen Weisheiten erfreute und erwärmte und für ein paar nachdenkliche Momente im turbulenten Alltag sorgte.

Er schrieb Gedichte, fast immer im gleichen Versmaß, kurz, kompakt und ohne Schnörkel. Lyrik, wie sie sonst nur Eugen Roth (Ein Mensch . . .) verfaßte, das war eine der Säulen, auf denen das Leben des geborenen Hamburgers ruhte. Eine zweite scheint auf den ersten Blick überhaupt nicht dazu zu passen: Söhler war einer der erfolgreichsten Versicherungsmakler Deutschlands, Mitinhaber einer höchst angesehenen zutiefst hanseatischen Firma, Sprecher seines Berufsverbandes, er hielt Vorträge an der Universität Hamburg, war also "im wirklichen Leben" sehr erfolgreich im Umgang mit Zahlen und Statistiken.

Aber die zwei Gesichter des Karl-Heinz Söhler hatten sich schon im Abiturzeugnis gezeigt. Er hatte sowohl eine Eins in Mathematik wie auch in Deutsch, und Söhler wäre nicht Söhler gewesen, wenn er nicht ein literarisches Ventil gesucht und gefunden hätte für das dröge Versicherungsgewerbe, einen "Ausgleichssport", wie er es selbst nannte.

Anfang der 70er Jahre begann er Gedichte zu schreiben, von Anfang an so erfolgreich, daß mehr als zwei Dutzend deutsche Zeitungen und zahlreiche Rundfunkanstalten seine Geistesblitze druckten oder sendeten. Insgesamt erschienen sieben Bücher von ihm, das letzte 2003.

Karl-Heinz Söhler war immer optimistisch, und meist war das, was er schrieb, voll Heiterkeit, obwohl es, insbesondere nach dem Tod seiner Ehefrau, im Innern manchmal ganz anders aussah. Er fühlte die Verpflichtung, den Menschen etwas auf den Weg zu geben, Erkenntnisse, die das Leben vielleicht ein ganz wenig leichter erträglich machen, wie diese: "Wenn du dich ärgerst, denk daran: Der Ärger ist ein blödes Vieh. Es fängt am falschen Ende an und frißt nur dich - den Anlaß nie".

( ds )

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