Hamburg macht das Tor auf

K O M M E N T A R

Herzlich willkommen in Hamburg! Die altehrwürdige Hansestadt wächst und wird dabei jünger: Das Plus in der Einwohnerstatistik ist überwiegend zwischen 20 und 30 Jahre alt - es sind die Neugierigen, Hungrigen, am Anfang des (Berufs- und Familien-)Lebens Stehenden, die kommen. Und das ist gut so. Die Stadt braucht Zugereiste, für die Hamburg zunächst nicht mehr ist als ein Ort, an dem es sich zu wohnen und arbeiten lohnen könnte. Die die Stadt erst einmal entdecken müssen, sie gründlich und unvoreingenommen testen. Mit jedem weiteren Mitglied der großen hanseatischen Gemeinschaft steht diese selbst in all ihren unterschiedlichen Teilen auf dem Prüfstand. Die neuen Mitbürger stimmen mit den Füßen über den Zustand, die Attraktivität und Klasse der Stadt ab: Dass im Moment deutlich mehr Menschen kommen als gehen, ist deshalb ein sehr gutes Zeichen - aber eben nicht selbstverständlich. Gerade die Mehrzahl der Neuhamburger, die 20- bis 30-Jährigen, gelten als äußerst mobil, können genauso schnell wieder weg sein, wie sie gekommen sind. Und das wäre verheerend: Denn erst in späteren Lebensjahren werden die Zugereisten für die Stadt besonders wertvoll - wenn sie Karriere machen, sich ein Haus kaufen, Familien gründen. Erst dann wächst die Zahl der Hamburger dauerhaft - mit allen Vorteilen von höheren Steuereinnahmen bis hin zum Aufbau neuer und zur Belebung alter Stadtteile. Die alteingesessenen Hamburger sollten deshalb die neuen Mitbürger schnell und freundlich aufnehmen. Leider gehört nämlich genau das zu den wenigen Dingen, die viele Zugereiste in dieser Stadt vermissen.