Mehr Erfahrung für den Senat

K O M M E N T A R

Hamburgs Bildungssenator Rudolf Lange ist eine Überraschung gelungen. Mit der fast 70 Jahre alten Ingeborg Knipper hat er eine Pensionärin in die Top-Etage seiner Behörde geholt. Das dürfte einmalig für Führungspositionen im öffentlichen Dienst sein. Die fachlichen Qualitäten und die Sachkenntnis der Christdemokratin stehen außer Frage. Dass sie sich in den Schulen und der Bildungspolitik auskennt, wird auch von der heutigen Opposition anerkannt. Frau Knipper bringt die erforderliche Kenntnis des Apparats mit, die jedem externen Bewerber gefehlt hätte. Auch wenn Lange betont, dass Frau Knipper seine Wunschkandidatin ist, zeigt die Entscheidung doch auch ein politisches Kalkül: Die künftige Leiterin des Amtes für Schule verfügt über einen kurzen Draht zur CDU und zu Bürgermeister Ole von Beust. Nach den Turbulenzen, in die der Bildungssenator auch durch eigenes Zutun geraten ist, wird hier der Versuch der Koalition erkennbar, in einem wichtigen Politikfeld Stabilität durch Erfahrung und Routine zu gewinnen. Aber: Frau Knipper wird eine selbstbewusste Stimme im Behördenkonzert sein. Ihr Alter verschafft ihr dazu die Unabhängigkeit.