Jüdische Gemeinde tief zerstritten

Vorwürfe: Krise um Grundschule weitet sich aus. Rücktritt von Andreas Wankum gefordert.

Die Schließung der jüdischen Grundschule an der Schäferkampsallee (Eimsbüttel) hat zu einem erbitterten Streit mit persönlichen Schärfen in der Jüdischen Gemeinde geführt. Dabei geht es längst um mehr als die Zukunft des Schulwesens.

Vorläufiger Höhepunkt: Karin Feingold, die Vorsitzende des Beirats der jüdischen Gemeinde, hat den Vorstandsvorsitzenden und CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Andreas Wankum zum Rücktritt aufgefordert. "Ihr menschenverachtender Umgang, Ihre Ausdrucksweise, Ihre bemerkenswerte Unkenntnis vieler Themen und Angelegenheiten beschädigen das Ansehen der Jüdischen Gemeinde in Hamburg und über die Stadtgrenzen hinaus", schreibt Feingold in einem offenen Brief an Wankum. Der Vorstandschef sei eine "stadtbekannte zwielichtige Figur", deren "Scharlatanerie" gestoppt werden müsse. Auch das Gemeindemitglied Ruben Herzberg, Schulleiter des Gymnasiums Klosterschule, fordert den Rücktritt.

"Frau Feingold und ihre Mitstreiter kommen mit ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit nicht klar", sagt der Vorstandschef. Vor zwei Jahren war Feingold aus dem Vorstand der Gemeinde gewählt worden. Wankum wirft Feingold jetzt vor, gegen die Gemeindeverfassung und gegen die "jüdischen Sitten" verstoßen zu haben, weil sie vertrauliche Zahlen und einen internen Konflikt "nach außen getragen" habe.

Darum geht es: Karin Feingold wirft Wankum vor, die Gemeinde in eine Finanzkrise gestürzt zu haben. Feingold zitiert einen Wirtschaftsprüfer, der den Haushaltsplan 2005 unter die Lupe genommen hat, mit den Worten, daß "in der Gemeinde spätestens Ende des Jahres die Lichter ausgehen". Das Haushaltsloch soll 500 000 Euro betragen. Verantwortlich dafür sind laut Feingold auch "mehrere Beraterverträge", die Wankum am Beirat vorbei abgeschlossen haben soll.

Wankum weist die Vorwürfe zurück: "Jeder Beratervertrag ist vom Beirat genehmigt worden. Alles andere ist absurd." Das Haushaltsminus sei im übrigen geringer als noch im Jahr zuvor und der Vorwurf des Mißmanagements deswegen lächerlich. "Aber allein die Schule hat ein Minus von knapp 100 000 Euro verursacht", sagt Wankum. Die geringen Anmeldezahlen und die Abmeldung fast aller der 17 Schüler zum Schluß seien die Folge davon, daß ein "vernünftiges pädagogisches und finanzielles Konzept gefehlt" habe. Wankum: "Ich hätte mein Kind auch nicht auf diese Schule gegeben."

Herzberg, der an der Entwicklung des Schulkonzepts einst mitgewirkt hatte, sieht die Schuld beim Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Das Vorhaben sei nicht an "ungünstigen äußeren Rahmenbedingungen, sondern an mangelnden Kommunikationsstrukturen innerhalb der Gemeinde gescheitert". Es gebe eine "unüberwindbare Vertrauenskrise dem Vorstand gegenüber".

"Die Führung der Gemeinde liegt in den Händen des Vorstands - und dieser Vorstand funktioniert", kontert Wankum.