Krach in der Kirche: Vorstand wirft Propst Vetternwirtschaft vor

Karl-Heinrich Melzer soll seine Frau bei Stellenvergabe begünstigt haben.

Niendorf. Wenn's ans Sparen geht, wird auch in der Kirche mit harten Bandagen gekämpft. Da greifen Mitglieder von Gemeinden aus dem Kirchenkreis Niendorf gar ihren Propst Karl-Heinrich Melzer (46) an, weil die Stelle eines Kirchenmusikers drastisch reduziert werden soll, während auf der anderen Seite eine Pastorin eine Viertelstelle mehr erhält. Bei der Pastorin handelt es sich um Margitta Melzer (46) die Frau des Propstes, die seit vier Jahren einen halbe Pastorenstelle in Eidelstedt hat. "Da wird doch jemand im Familienkreis versorgt", sagt Dr. Sabine Kleemeier vom Vorstand der Christusgemeinde Eidelstedt. "Von Gerechtigkeit kann man nicht reden, wenn auf der anderen Seite jemand in der Gemeinde seine Familie nicht mehr ernähren kann." Gemeint ist der Kirchenmusiker. Kleemeier: "Der hat eine Frau und drei Kinder; und dessen Job soll nun auf 21 Stunden zusammengestrichen werden. Das ist dann statt einer ganzen nur noch etwas mehr als eine halbe Stelle. Keiner kann das nachvollziehen."

Zur Zeit verhandeln vier Gemeinden im Kirchenkreis Niendorf über ein Fusionspaket: Christuskirche Eidelstedt-Nord (2300 Mitglieder), die Marienkapelle (2050), die Elisabethkirche (4100) und die Johannisgemeinde (2050).

Die Pastorenstelle von Margitta Melzer wird für ein gutes Jahr von einer halben auf eine dreiviertel Stelle erhöht. Das erklärte Propst Melzer dem Abendblatt. "Die Erhöhung ist vorgesehen, um andere Pastoren innerhalb des Stadtteils Niendorf zu vertreten", sagt er. Das liege daran, daß mittelfristig im Pfarrstellenplan Stellen abgebaut werden sollen. "Wir haben jedoch im Moment ein Problem: Nordelbien hat den Kirchenkreisen verordnet, nicht weiter Pastorenstellen abzubauen." Dadurch sind wir in eine Schieflage mit der Pfarrstellenzuteilung zwischen den einzelnen Gemeinden gekommen und müssen Vertretungen organisieren.

Jedoch könne Melzer "die Aufregung gut verstehen". "Aus meiner Sicht ist der Grund ein hohes Maß an Verletztheit, weil liebgewordene Stellen nicht mehr dasein werden." Melzer betont, daß die Gemeinde, auch wenn sie nicht fusionieren würde, den Musiker nicht mehr bezahlen könne. "Eidelstedt hat 10 300 Gemeindemitglieder und zur Zeit 2,25 Musikerstellen; das ist im gesamten Kirchenkreis Niendorf mit großem Abstand die beste Ausstattung." Norderstedt habe mit 28 500 Gemeindemitgliedern nur 2,0 Stellen.