"Würger von St. Georg" nach Hamburg ausgeliefert

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Christian Denso

Montag nachmittag, 17.05 Uhr, das Geschäftsfliegerzentrum am Flughafen Fuhlsbüttel. Der Privatjet kommt direkt aus Bordeaux. An Bord vier Polizeibeamte - und einer der meistgesuchten Straftäter Deutschlands: Serge K. (26). Der mußmaßliche Schwerverbrecher, der im Juni 2001 zwei Prostituierte in Hamburg ermordet haben soll (wir berichteten).

Nur zwei Wochen nach seiner Verhaftung in der Stadt im Südwesten Frankreichs ist der als "Würger von St. Georg" bekannt gewordene Serge K. gestern in die Hansestadt ausgeliefert worden - unter ungewöhnlich strengen Sicherheitsvorkehrungen: Für den 26jährigen wurde extra ein Privatjet gechartert - unter anderem, weil es keinen Direktflug gab. Seit K. mit den schweren Vorwürfen konfrontiert wurde, gilt er als extrem renitent: Er mußte den Flug in Fesseln antreten.

Am späten Montag vormittag waren zwei Zielfahnder des Landeskriminalamtes, der Dienststelle, die den "Würger" in knapp vierjähriger kriminalistischer Kleinarbeit aufgespürt hatte, nach Frankreich geflogen. Als Verstärkung hatten sie zwei Beamte des Mobilen Einsatzkommandos dabei. Das Chartern des Privatjets soll nach Angaben aus Justizkreisen "nicht viel teurer als die gleiche Aktion in einem Linienflug" gewesen sein. Nach der Landung wurde K. im Polizeipräsidium erkennungsdienstlich behandelt, kam dann in U-Haft.

Daß der 1,89-Meter-Mann keine weiteren Rechtsmittel gegen seine Auslieferung einlegte, könnte nach Angaben aus Polizeikreisen auch mit einem neuen schweren Vorwurf zusammenhängen: Auch die französische Polizei ermittelt jetzt gegen den 26jährigen wegen Mordes. Es gibt Hinweise, daß Serge K. für den gewaltsamen Tod einer Prostituierten in Frage kommt, die nahe der Stadt Rennes grausam ums Leben kam. Die Tat geschah am 25. Juni 2001, nur zwei Wochen nach den Morden in Hamburg, nach denen sich K. nach Frankreich flüchtete. In Frankreich drohten K. bei einer Verurteilung wegen Mordes bis zu 25 Jahre Haft - und damit wohl mehr als in Deutschland.

Wann der Prozeß gegen Serge K. in Hamburg beginnt, ist noch offen.

( cd )

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