Zeuge traut Wüppesahl Mordplan zu

Anklage: Polizist Holger J. sagte als erster Zeuge im Prozeß gegen den Kripomann aus.

Im Zeugenstand ist Polizist Holger J. (44), der Mann, der die Vorwürfe gegen Kriminalhauptmeister Thomas Wüppesahl (49) ins Rollen brachte - und einer der zwei Verteidiger will es genau wissen. "Trauen Sie es ihm zu?" fragt der Anwalt den Zeugen im Hinblick auf die Anklage. Danach soll Wüppesahl geplant haben, einen Geldtransporter in Berlin zu überfallen, wobei der Fahrer getötet und dessen eine Hand mit einem Fleischerbeil abgehackt werden sollte. Der Zeuge überlegt, sagt: "Ich traue es ihm zu." Wüppesahl, der sonst bisweilen ein Lächeln auf den Lippen hat, erstarrt für Sekunden - es geht ans Eingemachte im Prozeß.

Gestern sagte der erste Zeuge aus. Noch nicht der Hauptbelastungszeuge der Anklage, Andreas Sch., sondern der Polizist, dem Andreas Sch. von seinem Gespräch mit Wüppesahl erzählte. Fakt ist: Darin hat Wüppesahl von dem Überfallplan erzählt.

"Die Geschichte hörte sich für mich zunächst grotesk an, relativ plump, ich habe mich gefragt, ob ich mich in einem drittklassigen Film befinde", erinnert sich Polizist Holger J., der Wüppesahl und Andreas Sch. gut kannte - aus der früheren Zusammenarbeit in der Arbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten, in der Wüppesahl federführend aktiv ist. Andreas Sch. sei weinend zusammengebrochen, als er dem Zeugen vom Gespräch mit Wüppesahl erzählte. Andreas Sch. sollte Wüppesahl eine Waffe zur Verfügung stellen: "Hast du eine Kanone?" habe ihn Wüppesahl gefragt, "kein Spielzeug, sondern eine echte." Rund 400 000 Euro habe Wüppesahl erbeuten wollen. Andreas Sch. habe den Eindruck gehabt, Wüppesahl habe finanzielle Probleme. Wüppesahl habe gesagt, er wolle sein Haus mit Elbblick in Geesthacht nicht aufgeben. Andreas Sch. sei überzeugt gewesen, daß der Angeklagte die Tat ausführen werde.

Der Zeuge sagt, er selbst habe zunächst Zweifel gehabt: "Ich habe erst geglaubt, das sei irgendein Ding, das Wüppesahl der Polizei unterjubeln will." Er habe überlegt, ob der Angeklagte - der stets mit der Polizei im Clinch lag - mit der Erzählung einen "Feldversuch" starten wollte, "um zu sehen, wie die Polizei mit ,ent-rechteten' Polizisten umgeht." Aber wer finanziell mit dem Rücken zur Wand stehe, der könne so etwas schon planen, so der Zeuge. Die Verteidigung kritisiert, daß dem Hauptzeugen der Anklage, Andreas Sch., bei seiner Aussage eine staatlich bezahlte Rechtsanwältin zur Verfügung gestellt wird. "Die eine Seite soll gestärkt werden, die andere geschwächt", sagt Verteidiger Uwe Maeffert und stellt einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter. Der Prozeß soll Donnerstag fortgesetzt werden - mit dem Zeugen Andreas Sch.