Angst vor Scientology - Zeugenschutz

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Jan-Eric Lindner

Aussteiger: 31jähriger klagt an: "Ich werde beobachtet, verfolgt und habe Todesangst."

Isaak Himmelstein hat Angst um sein Leben. Der 31jährige ist Scientology-Aussteiger. Er war nach eigenem Bekunden beauftragt, gemeinsam mit seiner wohlhabenden Nochehefrau eine Scientology-Zentrale in Istanbul aufzubauen. Als, so erinnert er sich, die Organisation sich immer weiter in sein Leben drängte, stieg er aus. Seit einigen Tagen steht Isaak Himmelstein in Hamburg unter Zeugenschutz.

"Es gibt Scientology-Aussteiger, die nichts befürchten müssen, wenn sie der Organisation den Rücken kehren", sagt die Sektenbeauftragte Ursula Caberta. "Bei Herrn Himmelstein besteht jedoch durchaus Grund zur Sorge, daß ihm Unheil droht." Grund für die Gefährdung: Isaak Himmelstein soll, obwohl er in seinen knapp neun Jahren Zugehörigkeit kaum Karriere in der Hierarchie machte, eng in die Organisationsstrukturen der weltweit operierenden "Kirche" eingebunden gewesen sein. "Ich habe der Organisation deutschlandweit Konten bei der türkischen Akbank verschafft." Ursula Caberta erklärt: "Das war unter anderem deshalb so wichtig, weil Scientology kaum noch Konten bei größeren Banken bekommt."

Gemeinsam mit seiner wohlhabenden Frau Ayse, General Managerin einer Personalvermittlung mit 4000 Angestellten und aktive Scientologin, sollte Isaak nach eigenen Angaben das Headquarter des vom Verfassungsschutz beobachteten Netzwerks in Istanbul leiten. Die Betreuung sollte offenbar ein "Expansions-Komitee Türkei" in Hamburg übernehmen. Isaak Himmelstein: "Meine Frau sollte im Hintergrund ihre Geschäftsverbindungen nutzen, ich sollte der offizielle Statthalter sein. Ziel Scientologys war es, in kurzer Zeit ein profitables Zentrum aufzubauen. Als die Hamburger Scientologen mich zwingen wollten, meinen Beruf aufzugeben, monatelange Schulungen zu machen und mein Leben ganz auf die Lehren von L. Ron Hubbard einzustellen, habe ich die Notbremse gezogen und mich von der Kirche und meiner Frau getrennt."

Inzwischen sieht sich der Deutsch-Türke mit einer Anzeige wegen Körperverletzung konfrontiert. Er habe seine Frau geschlagen. Der Scientology nahestehende Hamburger Arzt Dr. Friedrich G., der laut Caberta nicht in der kassenärztlichen Vereinigung ist, stellte Ayse ein Attest über angebliche Verletzungen aus, es meldeten sich zahlreiche Zeugen. Laut Ursula Caberta alles Scientologen. In Hamburg, so berichtet Isaak Himmelstein, sei er observiert und verfolgt worden.

Scientology-Sprecher Frank Busch: "Herr Himmelstein verstieß oft gegen unsere Kirchenkodexe. Es hat Disziplinierungsversuche gegeben." Die Expansionsversuche bestätigt Busch: "Jede Religion versucht, ihre Lehren zu verbreiten."

( jel )

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