Autofahrer schlug auf Radfahrer ein - acht Monate auf Bewährung

"So was ist mir noch nicht untergekommen", sagte die Staatsanwältin: Aus dem offenen Fenster seines Autos heraus schlug der 62jährige Franz S. dem Rennradfahrer Christopher B. (44) am 4. März 2004 auf der Paul-Sorge-Straße (Niendorf) mit einem harten Gegenstand ins Gesicht. Mit voller Wucht.

Der Tat voraus ging offenbar ein Streit: Franz S. habe ihn auf die Gegenfahrbahn abgedrängt, sagt das Opfer. Zeugen bestätigen seine Aussage. Christopher B. wollte den Autofahrer deshalb an der nächsten Ampel zur Rede stellen. Hier habe Franz S. ihm mit einem Knüppel ins Gesicht und auf den Helm geschlagen.

Aus Angst, erneut getroffen zu werden, sagt Christopher B., habe er Tränengas in das Gesicht des Angreifers gesprüht. Das Gas habe er gegen mögliche Hundeangriffe immer dabei. Franz S. sei dann ausgestiegen, habe den Verletzten belehrt, daß er auf dem Radweg zu fahren habe, und sei gegangen, so Christopher B.

Der Angeklagte Franz S. gibt an, er habe aus Notwehr gehandelt: Der Radfahrer habe vor dem Stopp an der Ampel auf sein Autodach geklopft. Er und seine Frau, die auf dem Beifahrersitz saß, hätten sich davon bedroht gefühlt. Außerdem habe er nicht, wie der Geschädigte angab, mit einem Knüppel, sondern mit einer Gewürzmühle geschlagen.

Ein Baseballschläger-ähnlicher Gegenstand, wie ihn das Opfer Christopher B. beschreibt, wurde während der polizeilichen Ermittlungen nicht gefunden, doch hatten B.s Verletzungen auf einen solchen Knüppel hingewiesen.

Die schweren Hämatome, die Christopher B. von den Schlägen davongetragen hatte, werden keine dauerhaften Nachwirkungen haben. "Doch das war Zufall", sagte die Richterin. Sie verurteilte den ehemaligen Betriebswirt Franz S. zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung und entzog ihm für einen Monat den Führerschein.