Jörg Pilawa sehnt sich nach Langeweile

Familienmensch: Der Moderator kann mit seinem Schwiegersohn-Image umgehen

In fast jedem Artikel, den man über Jörg Pilawa (39) liest, stößt man auf Adjektive wie "nett", "freundlich" und "sympathisch". Die Texte über den nach Günther Jauch angeblich beliebtesten deutschen Fernsehmoderator haben fast immer einen wohlgesonnenen Unterton - von harter Kritik oder echten Skandalen keine Spur. "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner nennt Pilawa nur einen "anpasserischen, uninteressierten Menschen bar jeder Neugier".

Mit Jörg Pilawa ist es wie mit einem guten Kumpel: Frauen mögen ihn, Männer fürchten ihn nicht. Pilawas Erfolgsrezept ist vielleicht langweilig, aber es funktioniert. Fünfmal die Woche moderiert der Hamburger "Das Quiz mit Jörg Pilawa", zweimal monatlich die "NDR-Talkshow", dazu die Sendung "Herzblatt" und seit November die ARD-Sendungen "Hausbesuch - Stars unter Druck" und "Der große Partnerschaftstest".

"Mittlerweile kann ich mit dem Image des netten Schwiegersohns gut umgehen", sagt er. Dabei ist er nicht mal Schwiegersohn. Seit sechs Jahren lebt er mit der Lehrerin Irina Opaschowski (32) "in wilder Ehe" in Bergedorf. "Ich denke allerdings immer öfter darüber nach, wie der perfekte Heiratsantrag aussehen könnte", erzählt Pilawa. "Bloß nicht zu abgehoben oder gar in der Öffentlichkeit."

Dafür, daß er nicht abhebt, sorgen Irina und die Kinder Finn (7, aus erster Ehe), Emmy (4) und Juri (1). Papa soll sich schließlich nicht zu sehr daran gewöhnen, bei Produktionen chauffiert, bekocht und verwöhnt zu werden. "Meine Frau wäscht mir den Kopf, wenn es nötig ist, wir haben eine sehr gute Streitkultur." Etwa einmal am Tag reflektiert der Katholik sein Handeln, schöpft Kraft aus dem Zwiegespräch mit Gott. Nachdem sein Vater kurz vor der Pension an Krebs starb, findet der Moderator Antworten in seinem Glauben. "Ich will nicht bis 65 arbeiten und dann vielleicht nichts mehr von meinem Leben genießen können", sagt er.

Deshalb ist sein Plan für die Zukunft auch nicht eine tägliche Abend-Talkshow, wie sie seine Kollegen Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann haben. Pilawa möchte sogar eine seiner drei Hauptsendungen abgeben. Rund 3500 Sendungen habe er in den vergangenen zehn Jahren moderiert. Darunter "täglich ran" und die Talkshow "Jörg Pilawa" bei SAT.1 oder "Gold, Gold, Gold", und "Pisa - Der Ländertest" in der ARD. "Dabei bin ich eigentlich mundfaul und introvertiert", sagt der Moderator. Vieles sei auf der Strecke geblieben: Nicht nur der Sport mit seiner "Altherren-Fußball-Riege". Er möchte Freunde bekochen und mit seiner Irina ein Konzert in der Musikhalle genießen.

Ein weiterer Wunsch: "Ich hätte gern mal wieder Langeweile."