Spenden, die man nicht fürchten muss

Elisabeth Stimming

Kommentar

Studierende protestieren gegen ein Geschenk, für das die Stadt und die Universität dankbar sind: Die beiden Flügelbauten des Uni-Hauptgebäudes, gestiftet für 35 Millionen Euro vom Ehepaar Greve, lösen bei den angehenden Akademikern höchste Bedenken aus. Sie fürchten den wachsenden Einfluss von Spendern, fürchten, dass die Wirtschaft einzelne Studiengänge gezielt fördern und andere vernachlässigen könnte. Sind die Studierenden etwa undankbar? Nein. Ihr Einwand ist ehrenwert, denn die geistige Freiheit im Elfenbeinturm ist grundsätzlich ein schützenswertes Gut. Bei den Greves zielen sie dabei allerdings auf die Falschen: Die haben Gebäude gestiftet, in denen Fächer wie Kunstgeschichte und Orientalistik unterkamen. Die Studierenden unterschätzen eins: Die Stadt hat kein Geld und wird es auch in absehbarer Zeit nicht haben. Die gespendeten Bauten bringen endlich den Platz, den die Uni so dringend benötigt. Die Alternative waren Altbauten, die Miete kosten. Die Idee, von der Wirtschaft gesponsert zu werden, mag noch fremd sein. Doch Lehrinhalte werden nicht von Sponsoren bestimmt. Und auch die Studenten werden eines Tages zu den Steuerzahlern gehören, die protestieren, wenn ihre Kinder keinen Studienplatz bekommen oder wenn sie hohe Semesterbeiträge zahlen sollen. Spätestens nach dem Examen werden die Kritiker von heute sehen, dass Wissenschaft und Wirtschaft aufeinander angewiesen sind.

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