Ballindamm (fast) so schön wie früher

Restauriert: 800-Quadratmeter- Fassade der Firma Behn Meyer wurde im alten Stil wieder hergerichtet.

Es muss eine Menge dahinter stecken, wenn eine Fassade für 680 000 Euro saniert wird: Auch feines hanseatisches Kaufmannstum, wie am Behn-Meyer-Haus am Ballindamm 1. Hier hat die Firma Behn Meyer Deutschland Holding AG & Co. KG. ihren Hauptsitz, eines der traditionsreichsten Handelshäuser Hamburgs. Hier residiert nur Understatement: Die Hamburg-Flagge weht selbstverständlich am Haus, genauso wie die Flaggen der Behn-Meyer-Partnerländer an deren Feiertagen. Doch die Firmenflagge zu hissen, "das wäre übertrieben", heißt es schlicht. Soll heißen: Das Haus selbst ist Flagge. Eigentlich sollte Mitte 2002 der Farbanstrich am Behn-Meyer-Haus erneuert werden. Doch unter sechs Farbschichten kamen kunstvolle schmiedeeiserne Tragwerke, Säulen, Kannelüren, Gesimse und Mauerwerk aus Elbsandstein und Mosaike zum Vorschein; zum Beispiel aus dem Baujahr 1900 in römischer Schreibweise das Mosaik MDCCCC.

Der Hamburger Architekt Bernd-J. Knüppel von KFA Knüppel + Faber Architekten arbeitete mit Hamburger Spezialbetrieben für Restaurierung. "Keiner wusste mehr etwas von den Schätzen. Der Entschluss, der gesamten 800 Quadratmeter großen Fassade das historische Gewand zurückzugeben, war dann später eine Herzensangelegenheit", sagt Peter-Joachim Schönberg, Vorstandsmitglied bei Behn Meyer. Als Anstoß diente auch eine alte Postkarte mit dem Haus.

Ein Fünftel des Sandsteins musste ausgetauscht und alle Fugen erneuert werden. Die Abbeizarbeiten dauerten drei Monate. Vieles gelang nur in Handarbeit. Schönberg dazu: "Wir sind sehr glücklich mit der Sanierung und werden die Ansichten der neuen alten Fassade als eine Art Logo nutzen, im Internet, für Einladungen und Karten. Geplant ist noch eine dezente Beleuchtung bis zum dritten Stock, die das Ergebnis der Restaurierung auch bei Dunkelheit betont."

1840 hatte der Hamburger Senatorensohn Valentin Lorenz Meyer mit Theodor August Behn die Firma in Singapur gegründet. Arnold Otto Meyer, Gründer der gleichnamigen Hamburger Firma 1857, war Konsul in Singapur, seine Familie hatte enge Kontakte zu Literatur und Kunst und pflegte Freundschaften zu Klopstock, Claudius und Schopenhauer.

Heute verkauft das Haus in Hamburg vornehmlich Gummi-Chemikalien für den europäischen Markt, die in eigenen asiatischen Werken produziert werden. Die der Firma über Generationen eng verbundenen Inhaberfamilien Kellinghusen, Lorenz-Meyer und Schönberg sind eingebunden durch Vertretung in Aufsichtsrat und Vorstand.