Bronze-Turm: Körber macht Rückzieher

Stintfang: Pläne für das neue Stiftungsgebäude ließen sich nicht umsetzen.

Die Körber-Stiftung hat überraschend den Plan aufgegeben, am Hafentor ihr neues Stiftungsgebäude zu errichten. Der 20-Millionen-Euro-Bau sollte am Stintfang entstehen; an einem der schönsten Plätze unserer Stadt.

Vier Tage vor der öffentlichen Auslegung des Bauleitplanentwurfs hat die Körber-Stiftung den Rückzieher gemacht und lapidar erklärt: Die "Vorstellungen" hätten sich "nicht in befriedigender Weise umsetzen lassen". Es gibt nicht nur einen neuen Blauleitplan extra für das Körberprojekt, sondern auch eine Änderung des Arten- und Biotopschutzprogramms - nur für den Bereich der Straße Hafentor!

Geplant war ein 34 Meter hoher Turm, der mit einer Bronzeglashaut weit sichtbar gewesen wäre. Die Sprinkenhof AG hatte extra ein Nachbargrundstück dazugekauft und alles maßgeschneidert entwickelt. Mit dem Projekt wuchs auch Protest; eine Interessengemeinschaft "Rettet den Stintfang/Alter Elbpark" kritisierte, dass das Endstück der Wallanlage bebaut werde und Sichtachsen verschwinden würden. "Der Rückzug hat mit den Protesten nichts zu tun", sagte gestern Christian Wriedt (53), Vorstandschef der Körber-Stiftung. "Mein Fehler war, dass ich falsch eingeschätzt habe, wie viele Kräfte auf so ein Bauvorhaben einwirken und wie sehr sich dadurch das Vorhaben in allen Bereichen verändern kann." Als einzelne Gründe nannte Wriedt die Kürzung des Plans um ein Stockwerk; die Notwendigkeit, einen Löschwasserspeicher im Keller zu bauen, und das Geld. Wriedt: "Wenn wir ein belastetes Grundstück kaufen, das nur gemeinnützige Institutionen nutzen dürfen, warum sollen wir dann den vollen Preis bezahlen?"

Die Körber-Stiftung sucht weiter ein Grundstück in City- und Hafenlage. Die HafenCity sei nicht attraktiv. Wriedt: "Hinter der Speicherstadt hätten wir keine Laufkundschaft und wären nicht sichtbar und ansteuerbar."

Karl-Heinz Ehlers, Chef der Sprinkenhof AG, sucht nun einen neuen Investor für das Projekt. Das wird schwierig, denn es gibt nur eine Hand voll gemeinnütziger Institutionen vom Rang der Körber-Stiftung.