Zum 85. Geburtstag: Eine Blume heißt jetzt Puya Loki Schmidtae

Geschenk: Bolivianische Bromelie wurde nach der Frau des Altbundeskanzlers benannt.

Am Morgen hatte sie die vielen Blumensträuße, die (neben ungezählten Briefen) an ihrem 85. Geburtstag geschickt worden waren, "im ganzen Haus verteilt". Danach frühstückte sie mit Ehemann Helmut (85), der ihr zu Ehren an diesem ganz besonderen Tag nicht in sein Büro im "Zeit"-Verlag ging. Dabei sprachen sie auch - wie Loki Schmidt es ausdrückte - über "die Geburtstagsgeschenke, die mir das Herz erwärmt haben":

Ein ehemaliger Student, den die Naturschützerin und Altkanzlergattin seinerzeit in Bonn auf botanischen Pfaden kennen gelernt hatte, schickte dem verehrten Geburtstagskind das Foto einer Bromelie, die er während eines langen Studienaufenthaltes in Bolivien entdeckt hatte, und teilte mit, dass dieses bisher namenlose Mitglied der Familie der tropischen Ananasgewächse den Namen "Puya Loki Schmidtae" erhalten habe.

Der heutige Botanik-Professor in Eberswalde erinnerte dabei an Loki Schmidts frühere Entdeckung im bolivianischen Urwald: ein bis dahin nicht benannter seltener Sprössling der etwa 35 Arten zählenden Familie der Bromelien, der bis zu drei Meter Größe aufwachsen kann.

Das tat der Gründerin der weit reichenden "Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen" ebenso gut wie der Geburtstagsbrief der Bonner Botaniker, die ihr demnächst erscheinendes Werk über die Fleisch fressenden Pflanzen (Carnivoren) der rastlosen Hamburgerin gewidmet haben.

"Pflanzen haben ihr eigenes Leben. Sie können wunderbar ohne uns leben, sie brauchen uns Menschen nicht", hat Loki Schmidt einmal gesagt.

Gegen Mittag trank sie mit ihrem Mann, der nach dem Frühstück seinen schmerzenden Rücken im Whirlpool behandelt hatte, und zwei Mitarbeiterinnen ein Glas Sekt und begab sich danach an ihren Schreibtisch, auf dem mehrere wissenschaftliche Arbeiten auf sie warteten. Den Rest des Tages gedachte sie "nur noch mit dem Mann zu verbringen", mit dem sie seit 62 Jahren verheiratet ist, obwohl dieser - O-Ton Helmut Schmidt im vorgestern Abend ausgestrahlten Loki-Porträt "Leben als Abenteuer"! - seine Ehefrau unerklärlicherweise für eine Erscheinung aus dem Bannkreis Dschingis Khans zu halten scheint.

Das gemeinsame Geburtstagsgeschenk zu Helmuts 85. Geburtstag am 23. Dezember 2003 und Lokis 85. hatten sie stets vor Augen: das Gemälde "Abendstimmung" des Hamburgers Ernst Eitner (1867-1955) nämlich, das sie kurz vor Weihnachten spontan gekauft hatten. Das Gemälde, das die Binnenalster und ihre Brücken in Eitners unverkennbarem Strich zeigt, betrachtet das Ehepaar Schmidt auch als ein "Geschenk für unsere künftigen Geburtstage".

Für wie wichtig sie derartige Lebensdaten allerdings wirklich hält, hatte sich Loki Schmidt schon an ihrem 57. Geburtstag klar gemacht, als sie während ihrer ersten wissenschaftlichen Expedition am afrikanischen Nakuro-See Flamingos beobachtete: "Jetzt sind diese Jubiläen für mich nicht mehr wichtig."

Weitere Geburtstagsehrungen sind indessen unvermeidlich: Am kommenden Wochenende trifft sich die Familie Schmidt zu ihrer traditionellen Nachfeier. Dabei sein werden u. a. die in Großbritannien lebende Tochter Susanne samt Ehemann Brian Kennedy, Loki Schmidts Schwester und Helmut Schmidts Bruder.

Am 8. März ehren die Stiftung Naturschutz Hamburg und die Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen ihre Gründerin mit einem Empfang im Barlach-Haus in Hamburg.