Fuhlsbüttel: Staatsanwalt ermittelt

Schüler misshandelt? Lehrer unter Verdacht

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Hanna-Lotte Mikuteit

Schwere Vorwürfe gegen Pädagogen der Grundschule Ratsmühlendamm. Schulbehörde sieht kein Fehlverhalten.

Der Gong schallt laut und vernehmlich. Kurz darauf strömen die Kinder fröhlich lachend aus der großen Tür des Backsteinbaus. Auf dem Schulhof stehen Eltern und warten. Schulschluss an der Schule Ratsmühlendamm in Fuhlsbüttel.

Doch die Harmonie ist trügerisch. "Gegen fünf Beschuldigte, darunter vier Lehrer der Schule, liegt eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt vor", bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers, gestern auf Anfrage. "Wir haben Ermittlungsverfahren eingeleitet."

Nach Informationen des Abendblatts geht es konkret um den achtjährigen A., der immer wieder von Mitschülern auf dem Schulhof verprügelt worden sein soll, ohne dass Lehrer eingegriffen hätten. Zudem soll er von Lehrkräften geschüttelt und grob angefasst worden sein. Die Eltern hatten die Vorwürfe Mitte vergangenen Jahres erhoben. Gestern wollten sie sich nicht äußern.

"Nach meinen Informationen stimmt es, dass eine Strafanzeige gestellt wurde. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren", sagte Schulleiter Peter Schroth dem Abendblatt. Er hat die Leitung der Grundschule erst im Sommer übernommen. Der betroffene Junge besucht inzwischen eine andere Schule.

Die Schulbehörde bestätigte gestern auch mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Lehrer der Schule. "Nach sorgfältiger Prüfung hat die Schulaufsicht festgestellt, dass kein Fehlverhalten vorliegt, das es nötig macht, die Lehrer aus dem Schuldienst zu entfernen", sagte Sprecherin Annegret Witt-Barthel gestern. Nun warte man den Ausgang des Verfahrens ab.

Im Schulalltag scheint das Thema bislang allerdings keine Rolle zu spielen. "Von einer Strafanzeige gegen Lehrer weiß ich nichts", sagte Julia Engel, deren Tochter die vierte Klasse besucht, gestern. Ein Vater, der unerkannt bleiben möchte, dagegen sagte: "Sobald man sich beschwert, haben die einen auf dem Kieker und lassen es an den Kindern aus."

Ganz ähnlich lauten auch die Einträge, die seit Monaten auf dem Online-Bewertungsportal schulradar.de zu lesen sind. Die Rede ist von Mobbing, Desinteresse der Lehrer sowie baulichen Mängeln. Alles anonym. Besonders schwerwiegende Vorwürfe erhebt "Lycilla", die sich als "Eltern" angemeldet hat: "Einige Kinder werden von Lehrkräften misshandelt, seelisch wie auch körperlich. Einige Kinder werden von Mitschülern aufs Schlimmste verletzt und/oder erniedrigt. Die Lehrkräfte halten es nicht für nötig, das zu unterbinden."

Diese Kritik will die Schulbehörde nun gerichtlich verbieten lassen. "Die Vorwürfe treffen nicht zu. Es ist unerlässlich, dagegen vorzugehen, auch weil sie sich auf angebliche Straftaten beziehen", sagte Sprecherin Witt-Barthel dem Abendblatt. Man habe versucht, sich mit den Machern von schulradar.de zu einigen. Das sei aber gescheitert.

"Da versucht jemand die Schule schlecht zu machen", sagte auch Elternratsmitglied Marion Borsig dem Abendblatt. Aus ihrer Sicht gibt es keinen Grund zur Besorgnis. Auf der Internetseite der Schule heißt es: "Der Elternrat sieht diese Vorwürfe als unsachlich und absolut haltlos an."

"Das stimmt nicht", sagte dagegen Schulradar-Geschäftsführer Manuel Weißbrod. Er habe inzwischen mit mehreren Eltern Kontakt, die die Vorfälle bestätigten. Beischulradar.de, einem Ableger des Lehrer-Bewertungsportals spickmich.de, sind nach eigenen Angaben 50 000 Eltern registriert. Sämtliche Verfahren wegen Unterlassung gegen die Spickmich GmbH hat das Unternehmen gewonnen.

Aus Sicht der Richter waren bisher alle Bewertungen von Lehrern im Internet durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Ob das auch in diesem Fall gilt, muss sich zeigen. Der Prozess um die Unterlassungsklage gegen schulradar.de beginnt am 3. Februar vor dem Landgericht Hamburg.

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