Erhöhte Luftbelastung durch Ausdünstungen der Baustoffe in den neuen Räumen

Altona: Im Sozialen Dienstleistungszentrum stinkt's

Nicht unbedingt alte Räume geben unangenehme Ausdünstungen von sich, auch frisch bezogene Neubauten können die Nase überstrapazieren. Im neuen Gebäude des Sozialen Dienstleistungszentrums Altona holen die Mitarbeiter jedenfalls nicht mehr so gerne tief Luft.

Im frisch bezogenen Sozialen Dienstleistungszentrum Altona am Achtern Born stinkts. Die Mitarbeiter klagen über Kopfschmerzen und Hautausschlag. Einige der Kollegen durften sogar provisorisch zurück in die alten Arbeitsräume am Blomkamp ziehen, weil sie sich nicht täglich den Geruchsbelastungen aussetzten wollten. Der Grund: Der Neubau ist voll von frisch ausgelegtem Linoleum Boden, Teppich, neuen Möbeln und Computern. Die Einrichtungen Grundsicherung, ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) und das Jobcenter Altona West sind erst im Dezember und Januar eingezogen.

Der Neubau ist Anlaufstelle für 120.000 Einwohner des Altonas Westen. Schon zweimal wurde die Luft im Neubau nun auf Schadstoffe untersucht, weil Mitarbeiter sich beschwert hatten. Das Ergebnis: Erhöhte Luftbelastung durch Ausdünstungen der verwendeten Baustoffe. Im Gutachten, das dem Abendblatt vorliegt, heißt es "Die deutliche Konzentration ist als Belastung einzustufen" und: "Bei längerfristigen Nutzung kann es bei Überschreitung von Orientierungswerten zunächst zu moderaten gesundheitlichen Symptomen wie etwa Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen etc. kommen."

Kersten Albers, Stellvertretender Bezirksamtsleiter Altona, bestätigt dem Abendblatt auf Anfrage: "Uns ist das Problem bekannt, jetzt arbeiten wir mit Hochdruck an einer Lösung, besonders wichtig ist jetzt das Lüften der Räume."

Bei Fortführung der Nutzung der Räume müssten Lüftungsanweisungen erarbeitet werden, heißt es auch im Gutachten. "In meinem Büro reiße ich jetzt immer um fünf vor der vollen Stunde das Fenster auf und friere dann erst mal fünf Minuten", sagt eine Mitarbeiterin. Gerne würde sie sich wärmer anziehen. Aber was sollen die Kunden denken? "Die riechen es ja sowieso", sagt ein anderer Mitarbeiter. Alle sind angehalten, die Fenster im Stundentakt zu öffnen. Am Wochenende, am Abend und früh morgens lüftet der Hausmeister die Räume. Jetzt soll gelüftet und geheizt werden, bis die Luft raus ist. Die Schlechte. Die Angestellten sind genervt. Sie arbeiten in einem Neubau, in Ausdünstungen, deren Auswirkungen sie selbst nicht einordnen können. "Da helfen mir auch Beschwichtigungen und die Gutachten nicht, die an uns ausgeteilt wurden", sagt ein Mitarbeiter. "Heizung auf volle Pulle hoch drehen und dann stoßweise Fenster auf", das sei die Ansage gewesen, berichtet der Mitarbeiter weiter.

Jetzt soll nachgeholt werden, was in den vergangenen Wochen verpasst worden sei. Im Gutachten heißt es: "Nach dem Abschluss der Baumaßnahmen ist möglicherweise kein ausreichend langer Zeitraum vergangen, in dem die Anfangs-Emissionen abklingen." Im Dezember und Januar der große Umzug. "Obwohl die Heizung noch nicht funktioniert hat, sind wir eingezogen. Das bedeutete arbeiten bei 15 Grad Raumtemperatur und Gestank", berichtet ein anderer Mitarbeiter. "Bei diesem verdächtigen Geruch haben wir zu allererst an die beiden Schwangeren Kolleginnen gedacht, wir wissen ja nicht was die Ausdünstungen genau bewirken." S

echs Mitarbeiter sind nun ausgezogen, einige davon erkrankt. "Eigentlich müssten wir schnellstmöglich zurück in das neue Gebäude, weil wir nur als Team zusammen einsatzbereit für den Kinder und Jugend Notdienst sind." Zurück möchte er trotzdem noch nicht, denn ihm ist weiter unklar, was die Ausdünstungen bewirken können. Er selbst litt bereits an Kopfschmerzen.

Jetzt warten die Mitarbeiter auf das Ergebnis der dritten Luftuntersuchung, die dem Bezirksamt Altona kommenden Dienstag vorliegt. Müssen vielleicht Baumaterialen ausgetauscht werden, wie es auch das Gutachten nicht ausschließt? "Alle Baustoffe habe ich dem Bezirksamt und dem Amt für Arbeitsschutz vorgelegt. Alle sind zugelassene, handelsübliche Baustoffe und Lösungsmittelfrei", versichert der Vermieter. "Wir gehen davon aus, dass die dritte Luftmessung weiter deutlich bessere Ergebnisse liefert", sagt Rainer Doleschall, Bezirksamtssprecher Altona.

Die Mitarbeiter sind misstrauisch und fordern endlich eindeutige Erklärung. Aufforderungen regelmäßig zu lüften und Entwarnungen reichen ihnen nicht aus. Einer mutmaßt: "Wahrscheinlich haben die Sachverständigen direkt nach dem Dauerlüften die Messung vorgenommen."

Alle Betroffenen, die im Sozialen Dienstleistungszentrum arbeiten, sind Freitag, 13. Februar, zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen. Dann sollen die Gutachter und der Arbeitsmedizinische Dienst die Luftmessungen erläutern und endlich alle Fragen klären.