Jumbo-Glück in Rüssels Heim

Hagenbeck: Elefanten-Nachwuchs: Es ist ein Mädchen, wiegt 100 Kilo.

Die Beine wollen noch nicht so recht. Auch der kleine Rüssel schlenkert ein wenig unkoordiniert hin und her. Aber ansonsten geht es der Kleinen prächtig. Bei Hagenbecks Asiatischen Elefanten hat es Nachwuchs gegeben. Nach 657 Tagen Tragzeit, also etwas über 21 Monaten, hat Elefantenkuh Yashoda (24) ihr drittes Kind zur Welt gebracht: Ein gesundes Mädchen. Zwischen den großen Körpern der erwachsenen Tiere wirkt es zart, fast zerbrechlich. Doch das noch namenlose Baby bringt immerhin schon fast 100 Kilogramm auf die Waage, bei einem Meter Höhe. Gestern Nacht um 2.15 Uhr hatte Pfleger Peter John (58), der Nachtwache im Elefantenhaus hatte, zum Hörer gegriffen und Zootierarzt Dr. Michael Flügger (41) aus dem Bett geklingelt. "Ich glaube, es geht los." Bis 5.53 Uhr konnten er und die Pfleger beobachten, wie die Wehen immer häufiger kamen. "Dann ging die Geburt unglaublich schnell", sagt Flügger. Zum ersten Mal hat eine Elefantenkuh im Hamburger Tierpark ihr Junges in der Herde zur Welt gebracht - so, wie es in freier Wildbahn üblich ist. Flügger: "Dafür haben wir extra einen Geburtenstall gebaut. Aber dass das so toll klappen würde, hatte ich nicht zu hoffen gewagt. Wir mussten überhaupt nichts tun." Die erfahrene Leitkuh Shandra (36), die ebenfalls schwangere Lai-Sinh (13) und Yashodas ältere Tochter Corny (7) standen der Elfantenkuh während der Geburt zur Seite. Als Corny und Lai-Sinh sich ein wenig zu stürmisch um das Baby kümmern und es mit dem Rüssel zum Aufstehen bewegen wollten, ging Shandra dazwischen. "Tantenverhalten" nennen Verhaltensforscher das. Zehn Minuten nach der Geburt stand der kleine Dickhäuter bereits auf den Beinen, suchte etwas ungeschickt zwischen den Hinterbeinen der Mutter nach dem Gesäuge. Doch das liegt bei Elefanten zwischen den Vorderbeinen. Flügger: "Das wird sie schon noch lernen." Die Kleine ist der neunte Elefantennachwuchs im Tierpark seit Bestehen der Zuchtgruppe und das achte Baby für Bulle Hussein (28). Jetzt hoffen die Pfleger, dass sich Lai-Sinh viel vom Umgang Yashodas mit dem Baby abguckt, bevor sie bald selbst ihren ersten Nachwuchs zur Welt bringt. Vorerst sind alle Tierpark-Mitarbeiter überglücklich über den Nachwuchs, besonders nach dem Verlust von Thuras (29) Baby vor anderthalb Jahren. "Als es heute Nacht endlich so weit war, hatte ich feuchte Augen", gesteht John. Auch die kommenden Nächte werden er und seine Kollegen Wache auf dem Klappbett im Stall schieben. Sicherheitshalber. Wenn alles gut läuft und das Wetter mitspielt, können Besucher Yashoda und das Baby schon am Wochenende im Mutter-und-Kind-Außengehege sehen.