Multitalent - die schräge Welt des Jan C. Scheibe

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Nataly Bombeck

Der 39 Jahre alte Hamburger musiziert, komponiert und steht bald wieder mit einem Soloprogramm auf der Bühne.

Er war schon immer unkonventionell oder einfach anders als die jungen Leute seiner Generation. Schon als er zehn Jahre alt war, zeigten die Nachbarskinder auf ihn, weil er als Sänger in der Peter-Alexander-Show auftrat. Oder später als Schüler am Christianeum als Gründer einer dadaistischen Theatergruppe. Und so erstaunt es auch wenig, dass der Hamburger Musiker Jan Christof Scheibe (39) zur Begrüßung im himmelblauen Nadelstreifenanzug und Pony-Fell-Schuhen auf der Leiter steht und in seiner Wohnung im Schanzenviertel eine Glühbirne auswechselt. "Ein bisschen Hausmann ist doch jeder, oder? Und gute Klamotten sind auch nie verkehrt. Außerdem ist Blau meine Lieblingsfarbe", sagt er und grinst. Dann zeigt der Hamburger Musiker, Pianist und Komponist im Vorbeigehen eine ansehnliche Hut- und Schuhsammlung im Flur und lädt zum Kaffee in seine türkisblaue, selbst entworfene Küche. Dazu passend blitzt aus seinen leuchtend blauen Augen etwas von dem Schalk, den der Künstler seit den 80er-Jahren auf den Kleinkunstbühnen Deutschlands verbreitet. Zunächst 1984 mit der Funkband Spike, die zur Haus-Band des legendären Onkel Pö wurde. Dann Mitte der 80er als Keyboarder der Elbvororten-Teenie-Band Channel Five und schließlich mit der Band Michel van Dyke als Vorgruppe der Simple Minds, mit denen er Ende der 80er-Jahre durch Europa tourte. "Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich 1990, als ich Sissi Perlinger kennen lernte und begann, mit ihr texterisch und kompositorisch zusammenzuarbeiten", sagt Jan Christof Scheibe. Erst schrieb und produzierte er mit der blond gelockten Comedy-Lady ihre erste CD. Ein paar Jahre später spielte er neben ihr seine ersten Bühnenrollen. Singen und Klavierspielen lernte er bereits mit drei Jahren von seinem Vater, der Kantor an der Christuskirche in Othmarschen war. Seine Liebe zu Rock und Pop entwickelte er schon im Teenager-Alter. "Ich liebe es, mir Menschen anzuschauen, und irgendwann werden diese Beobachtungen ganz selbstverständlich zu Gitarrenakkorden und Melodien", erzählt Jan Christof Scheibe. Seit nunmehr vier Jahren tritt er mit eigenem Programm auf. Mit seiner Solo-Show "Zu viel Sex ist gar nicht gesund" entwickelte er 1998 den kultigen "Scheibe-Montag" im Imperial-Theater. 2001 folgte im St.-Pauli-Theater das zweite Soloprogramm "Die Welt ist eine Scheibe", das ab Mai wieder im Imperial-Theater zu sehen sein wird. Außerdem spielt er dann auch wieder mit Sissi Perlinger im St.-Pauli-Theater. Jan Christof Scheibe ist so was wie ein Liedermacher der Neuzeit, seine Songtexte sind von feiner Ironie durchzogen. Seine Shows bestehen aus einer bunten Mischung aus Musik, Stand-up-Comedy und Dialogen mit dem Publikum. Erfolg und Talent, das inzwischen auch andere Künstler zu nutzen wissen. So engagierte Regisseur Dominique Horwitz den Musiker für seine musikalischen Kammerspiel-Abende. Außerdem schrieb Jan Christof Scheibe für diverse Filme die Musik. "Ich langweile mich schnell und genieße es, auf verschiedenen Baustellen zu arbeiten. Das erweitert meinen Horizont", sagt der 39-Jährige. Früher träumte Jan Christof Scheibe noch vom Musikerleben in London oder New York. Doch er ist in Hamburg hängen geblieben und fühlt sich wohl dabei. "Ich liebe das Wasser und vor allem meine Freunde hier. Immerhin treffe ich mich regelmäßig mit alten Schulfreunden zum Fußballspiel im Jenischpark oder gehe ins Millerntor-Stadion", sagt Jan Christof Scheibe. Und da erscheint er plötzlich angenehm konventionell.

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